Zu Fuß gehen in Paris

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Immer wenn ich in Paris bin, schau ich mir die Stadt auch ganz bewusst aus der Sicht von FußgängerInnen an:

Die geniale Zebrastreifen-Fußgängerampel-Kombi:

  • ungefähr alle 20 bis 50 Meter gibt es Zebrastreifen – über noch so kleine Sträßchen. An allen Seiten von Kreuzungen sind Zebrastreifen, zu 80 % mit Fußgängerampeln versehen
  • an einer grünen Fußgängerampel halten die Autos bei Rot an, die Fußgänger gehen über die Straße
  • an einer roten Fußgängerampel bleiben die Fußgänger stehen und warten bis die Autos durchgefahren sind
  • wenn keine Autos mehr kommen, gehen die Fußgänger bei Rot über die Fußgängerampel, dann greift die Regelung des Zebrastreifens auf der Fahrbahn – wer in Paris an einer roten Fußgängerampel bei freier Fahrbahn wartet outet sich sofort als Auswärtiger und bildet ein fulminantes Fußgängerverkehrshindernis 😉
  • ist an einer roten Fußgängerampel eine kritische Masse an Fußgängern erreicht – das kann schon bei 2- 4 Personen sein -, wird  im Pulk losgelaufen, auch wenn der Autoverkehr dicht fließt und grün hat. Die Autos halten trotzdem an – es ist also IMMER Vorfahrt für Fußgänger – Ich habe keinen Autofahrer erlebt, der sich aufgeregt hat.

 

Wenn ich daran denke, wie unmöglich es ist, in Stuttgart einen Zebrastreifen vor einen Kindergarten zu bekommen, überkommt mich, milde gesagt, ein gewisser Überdruss an dieser unserer Stadt. Vor einem Gymnasium in Paris waren ungelogen alle 10 Meter Zebrasteifen und Langsamfahrelemente – in einer ganz ruhigen, schmalen Gasse – Parken auf dem Gehweg hier unmöglich:

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Übrigens, Gehwegparken – ein „Konzept“, auf das manch Verwaltungsmensch der Stadt Stuttgart heute noch stolz ist – mein Fußgänger-Dank an dieser Stelle! – gibt es in Paris überhaupt nicht.

Als ich im August 2014 wieder in Paris war, tauchten eines Sonntags diese Schilder in vielen Seitenstraßen auf:

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Von 10.00 bis 19:30 Uhr wurden die Straßen zur autofreien Zone – es war wunderbar, das Gehen in diesen Straßen. Die Stadt Paris hat zu Anfang jedem Schild noch einen Polizisten zur Seite gestellt, damit der das zur Not den Autofahrern erklären kann, mit dem autofrei…Ich bin gespannt, ob das bei meinem nächsten Besuch noch so ist. Oder ob / wie sich das Projekt weiterentwickelt hat.

In Paris geht seit 9 Jahren in großer Geschwindigkeit, was in Stuttgart undenkbar scheint: der Umbau von einer autofreundlichen Stadt zu einer  Stadt, in der alle Verkehrsteilnehmer auf ihre Kosten kommen und dabei das Ziel, die Luftverschmutzung massiv zu senken, konsequent verfolgt wird.

Während Stuttgart mit dem Rosensteintunnel eine Autobahn in die Stadt reinbaut, baut Paris seine Uferschnellstraßen an der Seine zurück, legt schwimmende Gärten am Seine-Ufer an und baut Plätze wie den Place de la Republique fußgängerfreundlich um.

„Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, versteckt auch nicht ihr Ziel den Automobilverkehr in Paris zu verringern und weist auf die notwendige Verbesserung der Luftqualität und Reduzierung des Lärmpegels hin…

Die Opposition kritisiert mit den üblichen Argumenten des drohenden Verkehrschaos die Pläne der Bürgermeisterin. Doch auch wenn die sozialistische Partei riskiert die Pariser Region bei den nächsten Wahlen zu verlieren, sitzt die Bürgermeisterin der Stadt Paris bis jetzt gut im Sattel.“

Im letzten jahr gab es in Paris einen autofreien Sonntag  (27.09.2015), Fahrverbote bei Feinstaubalarm, seit Ende 2015 sind alte  LKWs und Busse in der Stadt verboten.

Vielleicht sollten grüne Oberbürgermeister  – mit einer starken grünen Fraktion im Gemeinderat – und grüne Verkehrsminister hierzulande einfach mal etwas riskieren, und das umsetzen, wofür sie gewählt wurden!?

 

 

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