Parklets in Stuttgart – Ein Experiment

Seit gestern sind in Stuttgart sogenannte Parklets aufgetaucht. Sie nehmen einen Teil des öffentlichen Raums, der zum Großteil für den ruhenden Autoverkehr genutzt wird – also: Parkplätze – in Beschlag und gestalten ihn für die Menschen, die in der Stadt leben und zu Fuß, oder per Fahrrad unterwegs sind. Oder schlicht für die Anwohner an den betreffenden Straßen und Plätzen. Das Experiment soll bis zum 16.09.2016 gehen.

Am besten beschrieben ist das Projekt auf der Projekt-Seite selbst:

Was ist ein Parklet?

Ein Parklet ist die Erweiterung des öffentlichen Gehwegs, welche anstelle von Parkpatzflächen mehr Raum für alle Menschen bietet. Es vereint verschiedene Elemente die Entpannung im urbanen Leben bieten wie zum Beispiel Sitzflächen, Bäume, Blumen, Sträucher, Witterungsschutz, Beleuchtung oder Fahrrad-Abstellmöglichkeiten. Es reflektiert, im Idealfall, den einzigartigen Charakter und die Bedürfnisse seiner Umgebung.
Als Stadtmöbelierung kann es eine ästhetische Erweiterung des gesamten Straßenbilds sein. Durch den Verzicht eines festen Fundaments kann es schnell und kostengünstig nachbarschaftliche Gemeinschaft fördern wo sonst schmale Gehwege ein Verweilen unmöglich machen.
Ein Konzept, das in Weltstädten wie San Francisco oder São Paulo bereits erfolgreich getestet wurde. Nun ist Stuttgart an der Reihe!

Eine feine Sache, wie ich finde! Da muss ich mal losziehen und Photos machen.

Die Standorte der Parklets findet man hier.

Wer und was steckt dahinter?  Ein  „Entwurfs- und Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Städtebau-Institut, dem Reallabor für Nachhaltige Mobilitätskultur der Uni Stuttgart und der Stadt Stuttgart“.

Und warum das Ganze? Zitat aus der Projektseite:

Fließender und ruhender Autoverkehr dominiert zu sehr den Straßenraum, man nimmt die Besetzung des öffentlichen Raums als eine Selbstverständlichkeit hin. Öffentlicher Parkraum, Hindernis aber auch Ausgangspunkt für die Fortbewegung im Alltag, ist das Thema für verschiedene Interventionen im städtischen Raum.
In einem abschliessenden Forschungsbericht werden die unterschiedlichen Resultate und Wege wie es dazu gekommen ist, dokumentiert und ausgewertet.

Das wäre jetzt mit CDU-Bürgermeister nicht denkbar gewesen, oder CDU-Verkehrsminister. Muss man zugeben :-)!

Und wer regt sich jetzt  maßlos auf? Die Autofahrer, die sich nicht vorstellen können, dass man in einer Stadt ohne eigenen PKW (plus Parkplatz vor der Haustür natürlich) überhaupt leben kann. Dass man das ohne PKW sogar viel besser kann, das wissen einige schon, vielleicht lernens die Autofahrer auch noch…..

 

 

„Der Kofferaum ist der beste Einkaufswagen“ – Wirklich?

Dass der Kofferraum und damit der PKW das bevorzugte Mittel zum Shoppen ist, behaupten CDU- und FDP-Mitglieder des Stuttgarter Gemeinderats immer wieder gerne. Und weil dies so ist, müsse man es dem motorisierten Individualverkehr so leicht wie möglich machen. Denn der Handel will ja schließlich Umsatz machen. Darf er auch. Aber dass er dazu mehr Straßen und am besten Parkplätze vor jedem Laden braucht, ist schlicht falsch.

Auf dieser Fahrradfahrerseite findet auch der Fußgänger, was er schon lange geahnt hat:

Zu Impulskäufen kommt es bei Fußgängern und Radfahrer viel häufiger als bei Autofahrern. Sie sind mit der richtigen Infrastruktur einfach näher dran.

und

„Studien zum Einkaufsverhalten in Innenstädten zeigen, dass nur knapp ein Drittel der Passanten gezielt einkauft. Die Mehrheit agiert stattdessen spontan und nutzt die Möglichkeiten, die sich ihr bieten. Je mehr Geschäfte passiert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Impulskaufs. Auf Grund geringer Geschwindigkeiten und der unmittelbaren Sinneserfahrung gilt dies besonders für Fußgänger und auch Radfahrer, wenn ihnen einladende Infrastruktur bereitgestellt wird.“ Insofern sollten dezentrale Parkmöglichkeiten zurückgebaut und zum Beispiel der Aussengastronomie zur Verfügung gestellt werden.

Demnach machen Fußgänger den größten Anteil des Kunden (44 %), gefolgt von Menschen die mit PKW anreisen (32 %).

Fahrradfahrer und Fußgänger tragen mehr bei zum Umsatz des Handels in den Innenstädten als Menschen die mit dem PKWs kommen. Sie kaufen bei ihren einzelnen Touren zwar weniger als ein PKW-Fahrer mit großem Kofferraum, dafür sind sie aber öfters am Einkaufen und auch am Konsumieren in eventuell vorhandener Außengastronomie.

Höchste Zeit, dass die Stadt Stuttgart mit ihrem grünen Oberbürgermeister und einer starken grünen Fraktion im Gemeinderat dies wirklich zur Kenntnis nimmt und auch entspechend handelt!