Feinstaubalarm seit 16.01.2017 ….und Nase gestrichen voll!

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Miese Aussicht in der Werastraße – nur noch schemenhaft ist die hügelige Gegend jenseits der Hohenheimer Straße/B27 zu sehen – beachtlich auch der rege Verkehr trotz Feinstaubalarms

Die Belastung der Stuttgarter Luft ist seit Beginn des neuen Jahres – wobei die Silvesternacht und die Tage danach ein gelungener Auftakt waren! – extrem hoch. Die Grenzwerte der EU werden zur Zeit um ein Vielfaches überschritten:

Hier messen die Bürger: Feinstaub Stuttgart Info und da: OpenData Feinstaub-Map

Hier misst das Land Baden-Württemberg: Aktuelle Feinstaub PM10-Verläufe am Neckartor in Stuttgart

Die Messungen der Feinstaubsensoren von  Luftdaten selber messen liegen immer höher, als die des Landes Baden-Württemberg. Das müsste man mal klären, woran das liegt, aber egal, selbst die „niedrigeren“ Werte des Landes Baden-Württemberg sind schon erschreckend genug.

Ich persönlich fühle mich in den letzten Tagen extrem eingeschränkt durch den miesen Zustand unserer Atemluft da draußen:

Halte ich mich draußen auf – auf dem Fußweg zur Arbeit, zum Einkaufen etc. – merke ich schnell, dass das Atmen schwer fällt; ich habe das Gefühl, mein Kehlkopf ist aufgeraut, ich habe ständig das Bedürfnis mich zu räuspern, ich bekomme Kopfweh, ich habe ständig Durst. Bin ich hingegen zu hause – auch da sind die Werte bereits über dem Grenzwert – lassen diese Symptome schnell nach.

Wenn ICH den miesen Zustand der Luft schon so spüre, wie geht es dann erst chronisch Kranken, Asthmatikern, Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen, Älteren, kleinen Kindern… ? Seit Tagen vermeide ich es so gut es geht, viel draußen unterwegs zu sein, obwohl ich Spaziergänge in kalter, klarer Luft liebe – aber wir haben keine klare Luft, wir haben giftige Luft. Ich lüfte so wenig es geht – tja, ist auch nicht so meins – aber je mehr ich lüfte, desto mehr dreckige Luft kommt in meine Wohnung. Ich weiß das deshalb, weil ich einen der oben erwähnten Feinstaub-selber-messen-Feinstaubsensoren am Balkon hängen habe und den bei Bedarf natürlich auch drinnen messen lassen kann.

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Ich überlege, ob ich bei diesen Außenbedingungen mein Kind in die Schule schicken soll – auch dieses klagt bereits über Schluckbeschwerden – und ob ich nicht lieber Homoffice mache, solange bis….,tja,…. bis was eigentlich?

Bis die Stadt Stuttgart ihrer Verantwortung nachkommt und etwas gegen diese Situation unternimmt? Fahrverbote zum Beispiel, wie die Stadt Paris es aktuell wieder angeordnet hat?

Aktuelle Fahrverbote in Paris

Fahrverbote in Stuttgart? Ach woher denn, die sind frühestens 2018 angedacht. Bis dahin  ist die Stadt Stuttgart damit zufrieden, dass sie Dank des Deutschen Wetterdienstes die problematischen Wetterlagen so frühzeitig erfährt, dass sie pünktlich Feinstaubalarm ausrufen kann, wenns kritisch wird. Dann hoffen die Verantwortlichen der Stadt und es Landes, dass auf einmal alle ihre PKWs stehen lassen und/oder dass es sehr bald regnet – oder wenigstens windig wird. Das wars. Ach nein, nicht ganz: es wird eine Mooswand getestet.

SWR Bericht Mooswand

Moos kann eine Menge, das stimmt, aber man kann schwerlich die komplette Stadt mit Mooswänden ausstatten – da hätte man mal lieber nicht so viele Bäume gefällt vor einigen Jahren – aber das ist eine andere Baustelle.

In einer aktuellen Pressemitteilung der Stadt Stuttgart,  schreibt Herr Bürgermeister Pätzold – Mitglied der einstigen Umweltpartei Bündnis90/DieGrünen:

Nicht der Feinstaubalarm ist das Problem, der Feinstaub ist es. Fakt ist: Der Alarm hat in über 90 Prozent der Fälle richtig prognostiziert, dass die Grenzwerte überschritten werden. Deshalb rufen wir dazu auf, sich nach Alternativen zum Auto umzuschauen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.“

Er verstehe die Ungeduld mancher Bürger und Umweltverbände. „Stadt und Land arbeiten mit Hochdruck an besserer Luft in Stuttgart. Sie tun alles, was rechtlich möglich und politisch nötig ist. Wer Stuttgart schlechtredet, will sich auf Kosten der Gesamtstadt profilieren.“ Zum Gesamtbild gehöre auch, dass Stuttgart insgesamt sehr gute Luft biete, so der Bürgermeister.

Ich geh jetzt mal nicht auf das „Gesamtbild mit der insgesamt guten Luft“ ein….oder doch ein bisschen: es ist eine Binsenweisheit, dass in Stuttgart schon immer – Stichwort Kessellage – die Luft schlechter ist als drumherum. Einen Luftkurort Stuttgart lass ich mir von Herrn Pätzold nicht aufbinden.

Ich geh auch nicht auf die „Ungeduld mancher Bürger und Umweltverbände“ ein, ….oder doch ein ganz kleines bisschen: seit 2008 ist die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte definitiv ….. ähhh …Gesetz, also Pflicht. (Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG). Seither bastelt die Stadt Stuttgart an immer weniger denn mehr wirksamen Methoden rum, um die Grenzwerte einzuhalten. Wenn ich da nur an den unsäglichen Feinstaubkleber zurückdenke….

Ein Kleber gegen Feinstaub

Was ich sagen will: Ich seh‘ hier keine „Ungeduld“, eher das Gegenteil!

Aber weiter: Insgesamt  fühle ich mich von oben zitierten Äußerungen ein wenig auf den Arm genommen. Will ich mich jetzt auf „Kosten der Gesamtstadt“  – was ist das eigentlich?? – profilieren, weil ich der Meinung bin, die Verantwortlichen tun zu wenig, um die Luft, die alle hier atmen müssen, zu verbessern? Und zwar jetzt und nicht irgendwann im Jahre 2018? Will der Mann mich beleidigen?

Aber vielleicht meint er ja gar nicht mich, sondern die wahnsinnig undankbaren Bürger, die heute OB Kuhn und Regierunspräsident Reimer – auch beide Mitglieder der einstigen Umweltpartei …. also Grüne – bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart angezeigt haben – weil diese beide nicht alles rechtlich mögliche täten,um die seit Jahren andauernde gesundheitliche Gefährdung der Stuttgarterinnen und Stuttgarter schnellstens zu beenden.

Anzeige wegen hoher Feinstaubwerte

Die Anzeigeerstatter begründen ihr Vorgehen mit Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung, wonach Straßenverkehrsbehörden das Recht haben, die „Benutzung bestimmter Straßen und Straßenstrecken . . . zu beschränken oder zu verbieten und den Verkehr umzuleiten . . . zum Schutz der Wohnbevölkerung vor Lärm und Abgasen“.

Aha, geht da womöglich rechtlich doch mehr, Herr Pätzold, wenn man nur will?

Und weil die Stadt Stuttgart noch lange nicht daran denkt, die Gesundheit seiner Bürgerinnen und Bürger – nach §2 Absatz 2 GG – „Recht auf körperliche Unversehrtheit“ ein Grundrecht! – schnell bei Bedarf – also in Tagen wie diesen – mit allen Mitteln zu schützen, muss ich wohl weiter hoffen, dass mich das alles hier nicht ein paar Jahre meines Lebens kostet und natürlich auch nicht ein paar Jahre der Leben meiner Mitlebewesen in dieser Stadt.

Immer mal wieder überlege ich, wegzuziehen … bis dahin kann ich mich ja noch ein bisschen „auf Kosten der Gesamtstadt“ profilieren – was immer das auch ist …

Wem gehört der öffentliche Raum? – Der Schützenplatz

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Es gibt Plätze, da kommen einem die Tränen, wenn man sieht, wozu sie genutzt werden. Der Schützenplatz ist einer von diesen Plätzen.

Der Schützenplatz von oben

Beim Grundriss des Platzes kann man ins Träumen kommen: ein Brunnen in der Mitte mit Bäumen, Bänke drum herum, kleine Gastronomie, eine Bocciabahn und und und.

Und wie wird dieser Platz genutzt? Ausschließlich als Parklatz. Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder, Nachbarn, die sich treffen wollen, sind hier nicht vorgesehen. Egal, von welcher Seite aus man den Platz betritt, ihn überqueren möchte: man rennt in parkenden Autos oder Motorräder:

 

 

Der Platz soll bald umgestaltet werden. Dabei ist es wichtig, drauf zu achten, dass der öffentliche Raum nicht weiterhin nur einem Teil der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wird: dem motorisierten Individualverkehr und seinem Parkplatzbedarf.