Wie geht’s eigentlich den FußgängerInnen in der Fahrradstadt Kopenhagen?

Das hab ich mich schon oft gefragt. FUSS e.V. Deutschland  offenbar auch, denn in der aktuellen Ausgabe von mobilogisch!, der Verbandszeitschrift von FUSS e.V., finde ich ein Interview mit einem Vertreter des dänischen Fußgängerverbands Dansk Fodgænger Forbund.

FUSS e.V. hat mir genehmigt, das Interview hier wiederzugeben. Ein großes „Danke schön!“ dafür!

Also, los gehts:

 

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RadfahrerInnen in Kopenhagen, Wikipedia

Interview mit dem Kopenhagener Fußverkehrsverband

„Fußgänger müssen warten, warten, warten…“

Städte oder Länder gehen oft nicht mit integrierter Verkehrsplanung vor, auch wenn sie eine Ver­kehrs­art des Umweltverbunds fördern wollen. Wir unterhielten uns mit Hans Erik Hansen von der Kopenhagener Sektion der dänischen Fußgängervereinigung Dansk Fodgænger Forbund über seine Erfahrungen in der Fahrradhauptstadt.

? Jeder kennt Kopenhagen, die Stadt mit dem wohl weltweit größten Fahrradverkehr. Wir fragen uns, ob Fußgänger durch den starken Fahrradverkehr behindert werden.

! Ja, Kopenhagen ist weltberühmt für seinen Fahrradverkehr. Aber der Fahrradverkehr verursacht Behinderungen für Fußgänger und auch für Autofahrer, und diese Nachteile werden nicht besonders gut kommuniziert.

Den Fußgängern wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt als man den Fahrradverkehr vorantrieb. Aber nach einem Treffen im letzten Jahr mit unserer Organisation hat die Bürgermeister für Umwelt und technische Infrastruktur von Kopenhagen beschlossen, den Fußgängern und ihrer Sicherheit mehr Bedeutung beizumessen.

? Ich kann mir vorstellen, dass Fahrradstraßen und Fahrradparkplätze viel Raum im öffentlichen Bereich einnehmen. Manchmal sind Gehwege nicht breit genug. Werden Fußgänger von fahrenden und parkenden Rädern beiseite gedrängt?

! Wir haben viele Probleme mit Fahrrädern auf den Gehwegen und auf Fußgängerüberwegen. Auf den Gehwegen laufen Fußgänger zwischen fahrenden und parkenden Rädern umher – auch in Fußgängerzonen und Fußgängerstraßen. Besonders für ältere Menschen ist das ein Problem und in manchen Gegenden sieht man jetzt schon weniger Fußgänger als früher. Auch elektrische Cityräder sind ein Problem, weil besonders Touristen damit nicht richtig umgehen können und Gehwege und auch Fahrradstraßen unsicher machen.

? Radwege in Kopenhagen sind auf dem selben Höhen-Level wie die Fahrbahnen für Autos durchgezogen. Das bedeutet, sie sind am/ „auf“ dem Gehweg aber auf der selben Höhe wie die Straßen. Es scheint so, als ob Fußgänger über zwei Bordsteine laufen müssen bevor sie zum eigentlichen Bordstein gelangen.

! Ja, der Fußgänger muss erst über die Fahrradwegbordsteine laufen und dann über den am Fahrbahnrand.

? Wie ist es mit den geschützten Radfahrstreifen („protected bike lanes“), die durch Begrenzungen wie Poller oder Schwellen zur Fahrbahnseite geschützt sind. Macht das dem Fußgänger das Überqueren der Straße schwerer?

! Das hat zur Folge, dass der Fußgänger zum nächsten Überweg laufen muss, der dann bis zu 500 m weit weg sein kann.

? Welche Folgen haben Radschnellwege neben oder auf dem Gehweg für das Queren der Straße für Fußgänger?

! Fußgänger müssen warten…warten…warten oder zur nächsten Ampel laufen.

? Es gibt so viele Maßnahmen für sicheres und komfortables Radfahren, welche Maßnahmen plant die Stadt Kopenhagen für das sichere und komfortable Gehen der Fußgänger?

! Bisher nicht sehr viele, aber nach unserem Treffen haben sich drei Prioritäten herausgebildet: 1. öffentlicher Nahverkehr, 2. Fahrräder, 3. Fußgänger. Diese Initiative will dazu beitragen, die Sicherheit und Akzeptanz der Fußgänger in Kopenhagen zu verbessern. Das Hauptproblem ist die ungenügende Kontrolle durch die Polizei, um die Radfahrer zu mehr Rücksichtnahme zu bewegen um Unfälle zu verhindern.

mobilogisch, Ausgabe Mai 2017, Seite 7

Die Erkenntnis: wer vorbildlich den Radverkehr fördert, schafft damit nicht automatisch gute Voraussetzungen für Zu Fuß Gehende. Beides will gemeinsam gedacht und geplant werden. Und – das ist natürlich DIE Voraussetzung für ein gutes Gelingen: es geht nicht ohne Überwachung des ruhenden, aber auch des fließenden Verkehrs.

Gut, dass bei Stuttgart Laufd Nai – einer Kampagne für die Erweiterung der Stuttgarter Fußgängerzone in der Innenstadt, bei der auch FUSS e.V. Initiator ist – von Anfang an auch die Radverbände mit im Boot sind!

Auch die Stadt Stuttgart hat inzwischen die Bedürfnisse für FußgängerInnen erkannt und entsprechende Konzepte sind im Entstehen.

„Nur“ die Sache mit der Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung, die liegt noch sehr im Argen.

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