Stuttgart liebt seine Bürger nicht, oder: Die Baustelle des Grauens

„Aktuell zeigt Stuttgart seine Menschenverachtung in Form einer Baustelleneinrichtung“

Städte lieben keine Menschen. Aber Städte können ihre Verkehrspolitik am Menschen ausrichten. Es zeigt sich bei verschiedensten Gelegenheiten, was die Entscheider, die Verwaltung, die Leute in den Ämtern so von den Bürgerinnen ihrer Stadt halten.  Oder ob sie sie überhaupt auf dem Schirm haben, die Schüler, die Kinder, die Alten, die Mobilitätseingeschränkten, die Fußgänger, die Radfahrer, die Leute, die ihre täglichen Dinge erledigen gehen, da wo sie wohnen und da wo sie arbeiten, in ihrem Viertel, in ihrer Stadt.

Aktuell zeigt Stuttgart seine Menschenverachtung in Form einer Baustelleneinrichtung, verbunden mit Umleitungen, wie ich sie seit der Baustelleneinrichtung für die Baumfällarbeiten für Stuttgart 21 nicht mehr erlebt habe, eine, die ihresgleichen sucht.

Eingerichtet und in Betrieb genommen wurde die Baustelle ohne die in anderen Städten übliche  Vorwarnung über die Medien – Radio, Tageszeitung. Autofahrer und Anwohner, Radler und Fußgänger wurden unvorbereitet aufeinander losgelassen bzw. die schwächeren Verkehrsteilnehmer und Anwohner zur Seite geschoben.

 

Worum gehts? Es handelt sich um die Baustelle um das Neckartor herum, in dem Bereich, in dem eine Messstelle seit Jahren überhöhte Feinstaubwerte und Stickoxidwerte misst.

Luftwerte, wegen der die Dieselfahrer jetzt nicht mehr in die Stadt fahren dürfen. Böse Messstelle. Und damit diese Messstelle nicht mehr so böse Werte misst, wird jetzt …… nein, es wird nicht der Verkehr reduziert, es werden keine durchgängige Busspur und eine Radspur, oder breitere bzw. überhaupt Gehwege eingerichtet, nein, was viel tolleres: Es wird ein unerprobter, gesundheitlich umstrittener Asphalt in dem Bereich rund um die Messstelle auftragen, damit nicht mehr so böse Werte gemessen werden. Denn wenn da keine schlechten Werte gemessen werden, dann ist die Luft in Stuttgart wieder gut, dann dürfen wieder alle fahren, wie sie es schon immer getan haben – und der Kaiser ist nackt.

Der Zweck dieser Baustelle – Fahrverbote zu verhindern – zeigt deutlich: Gute Luft zum Atmen und die Gesundheit der BürgerInnen in der Stadt sind Stadt und Land herzlich gleichgültig.

Um diesen Belag gehts:

Ein recht unkritischer Artikel in den Stuttgarter Zeitungen:

Hoffen auf die Wirkung des Hightech-Asphalts

Dafür ein kritischer Bericht des SWR:

Hightech-Straßenbelag soll Stuttgarter Stickoxide fressen

Der Hinweis auf mögliche Krebserregung fehlt nicht, auch nicht der  auf die geringe Wirkung. Die Kritik zur Baustellen Einrichtung durch Radblogerin und der BI Neckartor ist auch eingearbeitet. Danke SWR!

„Wer seine Baustellen so einrichtet, der baut auch nichts Gutes für die Menschen einer Stadt.“

Nun aber zur Baustelleneinrichtung. Um es kurz zu beschreiben:

Sie wurde so eingerichtet, dass der Verkehr fließt. Auch wenn er gar nicht fließen kann, weil er ein Dauerstau ist. Es wurden die ursprünglichen Fußgänger-Ampeln stillgelegt und die Fußgänger weitgehend ohne Hinweise auf abenteuerliche Umwege geschickt oder durch ihr Nichtbeachten eigentlich dazu aufgefordert, sich doch bitte zu verpissen. Sie sind dem Verkehr im Weg.

Der meiste Verkehr der B14 stadtauswärts wird durch die Neckarstraße geführt. Ein Gebiet mit Wohnbevölkerung, Läden, Post, Apotheke. Schwerlastverkehr und Busse nun mitten drin.

Radfahrer und Fußgänger wurden zur Seite geschoben und sind nunmehr den 5. Tag in Folge dazu verdonnert, sich irgendwie durchzuschlagen, wenn sie schon nicht zu Hause bleiben wollen.

Das sieht dann so aus:

Die Ampeln sind abgeschaltet, damit kein Auto versehentlich für Fußgänger warten muss. Nicht auszudenken.

Fußgänger, die sich durchschlagen, die Ampeln sind außer Betrieb:

 

Anwohnende Kinder mit Tagesfreizeit, die in den Park wollten, denn es sind Ferien:

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Radler, die sich durchschlagen:

 

Ein Fußgänger, der sich durchschlägt:

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Diese Bilder habe ich innerhalb von 10 Minuten aufgenommen. Diese Situationen gibt unzählige in kurzen Abständen seit Tagen. Denn es ist ein Wohnviertel, das Viertel hinter dem Neckartor und oberhalb der Neckarstraße. Hier sind viele Menschen unterwegs. Zumeist zu Fuß, aber auch mit dem Rad:

 

Der Verkehr, der vom Schützenplatz und Kernerplatz kommt, wird hier – durch das Wohngebiet oberhalb der Neckarstraße – durchgeleitet, am Ende in die Neckarstraße eingeführt:

 

Seit Tagen sieht es hier so aus, es staut sich links, um die Kurve runter zur Neckarstraße:

 

Diejenigen, die an dieser Stelle entnervt und mit Motorengeheul umdrehen, rasen in der Tempo 30-Zone an einem Kindergarten und einer Kita, die zur Friedenskirche gehören, vorbei die Schubartstraße nach oben in  Richtung Werastraße, weil sie denken, da gings dann irgendwie schneller weiter.

Seit Tagen hupt und röhrt es permanent im Viertel, es stinkt, man will wirklich nicht nach draußen gehen.

„Es geht Land und Stadt ausschließlich um eines: Dass der Verkehr ungestört fließt.“

Es geht bei dieser Baustelle inhaltlich – Zauberasphalt –  so wenig um das Wohlergehen der Bewohner der Stadt,   wie es auch bei der Baustelleneinrichtung nicht darum geht, wie die Anwohner damit leben können. Wer seine Baustellen so einrichtet, der baut auch nichts Gutes für die Menschen einer Stadt.

Es gehen Land und der Stadt ausschließlich um eines: Dass der Verkehr ungestört fließt. Während  der Baustelle und danach auch.

Dass durch diese Baustelleneinrichtung die Bewohner massiv gefährdet und und in ihrem täglichen Leben zutiefst behindert werden, wurde der Stadt Stuttgart und der Polizei kurz nach Einrichtung der Baustelle mitgeteilt. Rad-Aktive , die BI Neckartor  und FUSS e.V. Stuttgart haben mit Schreiben an die Stadt darum gebeten, die geschilderten Missstände zu beheben bzw. abzumildern.

Andere Blogs haben früh berichtet:

Beitrag auf der Seite der BI Neckartor „Alles fürs Auto“,

Beitrag auf Christine Lehmans Blog zur sehr speziellen Radumleitung

Antwort von Verantwortlichen hat von uns niemand bekommen. Geändert wurde nichts.

5 Tage danach: Für Fußgänger fehlen bis jetzt Hinweisschilder, die Ampeln bleiben aus, obwohl im stehenden Verkehr durchaus Fußgänger hätten sicher queren können.

„Diese Stadt klammert sich an die Vergangenheit: Freie Fahrt für freie Bürger bis zuletzt“

Der Spuk soll am Mittwoch vorbei sein. Aber diese Stadt hat gezeigt, worum es ihr geht: Sie will Autostadt bleiben. Eine Verkehrswende wird es mit den momentan Verantwortlichen in Stadt und Land nicht geben.

Diese Stadt klammert sich an die Vergangenheit: Freie Fahrt für freie Bürger bis zuletzt. Lebenswerte Stadt, Klimawandel? Kein Thema.

Irgendwann wird Stuttgart – so sich nichts ändert in der Politik – das letzte Einhorn der Autofahrer sein, ein Reservat für Automobilisten, vielleicht mit Rennbahn. Denn die andern, die, die stören beim Autofahren, werden längst das Weite gesucht haben.

Ob die Stadt aber auf die richtige Karte setzt mit ihrer jetzigen Politik?

Zum Trost ein Filmchen, da zeigt, wie gut es sich in Städten leben lässt, wenn sie vom Menschen her gedacht werden. Viele Städte haben sich schon auf den Weg gemacht. Stuttgart gehört nicht dazu.

Spanien: Pontevedra – ein Paradies für Fußgänger

 

Victim Blaming und die Straßenverkehrsordnung (StVO)

Stellungnahme FUSS e.V. Stuttgart zu: „War der Unfalltod einer Zweijährigen vermeidbar“

Anlass  dieser Stellungnahme ist die Verhandlung zum Tod eines Kindes am Tennisplatz Doggenburg durch Überfahren beim Ausparken, genauer: Die Aussagen des Gutachter und eines Polizisten.Wir beziehen uns auf diesen Artikel:

„War der Unfalltod einer Zweijährigen vermeidbar“

Man liest – in Polizeiberichten und Zeitungsartikeln – immer wieder, wenn im Straßenverkehr ein Radfahrer, ein Fußgänger, Kinder, Ältere etc. durch Pkws und ihre FahrerInnen sterben: „Der Radfahrer trug keinen Helm, das Kind war sehr klein, der ältere Herr trug dunkle Kleidung….“ – Damit wird ziemlich direkt die Mitschuld oder wenigsten die Mitverantwortung des Opfers an seinem Tod bzw. Unfall verkündet.

Aktuell sind wir – Aktive von FUSS e.V. Stuttgart – fassungslos über die Aussagen von einem Gutachter und einem Polizisten bei der laufenden Gerichtsverhandlung zum Tod des zweieinhalb Jahre alten Kindes durch Überfahren durch eine Fahrerin eines Porsche Cayenne (siehe oben genannten Artikel). Das Modell des PKW wird von uns deshalb genannt, weil der Trend zu immer größeren, PS-stärkeren PKW die Gefährdung für zu Fuß-Gehende – aber auch Radler – massiv erhöht.

Das Kind kam zu Tode, als die Angeklagte – immerhin wegen fahrlässiger Tötung angeklagt – rückwärts aus einem Parkplatz fuhr. Sie war nicht mit Tempo 50 unterwegs und plötzlich erscheint wie aus dem Nichts ein kleines Kind vor ihrer Kühlerhaube (…zwischen zwei parkenden PKW z.B.), nein: Sie parkte aus.

Im Artikel sind Aussagen zugunsten der Fahrerin zu finden:

Der Gutachter:

Sein Fazit: Sie – Anmerkung: Autofahrerin – habe, wenn sie den Steiner-Weg in beide Fahrtrichtungen beobachten wollte, nicht ständig alle Bereiche rund ums Auto im Blick haben können. Zudem habe sie das etwa einen Meter große Mädchen nicht an allen Stellen rund ums Auto sehen können. Die Hilfe eines „geeigneten Einweisers“ hätte nur dann etwas gebracht, wenn dieser alle Bereiche hätte einsehen können (Anmerkung: Einweiser, die aussteigen, können rund ums Auto laufen…)

Der Polizist:

Im Straßenverkehr gehört ein zweijähriges Kind an die Hand“, sagte ein 57-jähriger Verkehrspolizist als Zeuge. Die Frage nach der Vermeidbarkeit beantwortet er eindeutig: „Bei all meiner Erfahrung als Polizist: Mir wäre der Unfall unter diesen Umständen auch passiert.“

Diese Aussagen sind ein Skandal. Im ersten Fall – die des Gutachters – war der Tod des Kindes so etwas wie höhere Gewalt, kann man nichts machen, Schicksal.

Im zweiten Fall – die Aussage des Verkehrspolizisten(!) – wird die Schuld ganz klar dem Opfer bzw. seinem Großvater zugeschoben.

Dabei ist die Straßenverkehrsordnung, was den Umgang aller Verkehrsteilnehmer miteinander angeht, sehr klar. Beide – der Gutachter und der Polizist müssten sie eigentlich kennen und verinnerlicht haben und gerade PKW-FahrerInnen gegenüber nachdrücklich und immer wieder vertreten:

StVO, § 1 Grundregeln

(1) Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) Wer am Verkehr teilnimmt hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.

StVO, § 10 Einfahren und Anfahren

Wer aus einem Grundstück, aus einer Fußgängerzone (Zeichen 242.1 und 242.2), aus einem verkehrsberuhigten Bereich (Zeichen 325.1 und 325.2) auf die Straße oder von anderen Straßenteilen oder über einen abgesenkten Bordstein hinweg auf die Fahrbahn einfahren oder vom Fahrbahnrand anfahren will, hat sich dabei so zu verhalten, dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist; erforderlichenfalls muss man sich einweisen lassen. Die Absicht einzufahren oder anzufahren ist rechtzeitig und deutlich anzukündigen; …..“

Wenn ein PKW-Fahrer also nicht alles sieht, weil die Situation unübersichtlich ist, so wie in der Verhandlung beschrieben: „…Es war Mittagszeit, Schulschluss in der nahen Waldorfschule, wo an diesem Tag wegen einer Veranstaltung auch noch etliche Eltern waren – ein „Gewusel“, wie die Tennispartnerin der Angeklagten es beschrieb….“, dann muss er/sie sich einweisen lassen – von wem auch immer, der gerade in der Nähe ist -, dann muss er/sie notfalls auch selber aussteigen und sich vergewissern, dass ums das hohe Auto rum frei ist, oder: Dann muss er/sie einfach mal warten, bis die Situation wieder übersichtlicher ist.

Eine Gesellschaft muss auf ihre schwächsten Mitglieder achten und Rücksicht nehmen, auch und gerade im Straßenverkehr. Hier sind es Zu-Fuß-Gehende, Rad-Fahrende, Kinder, Alte, die im immer dichter werdenden Straßenverkehr besonders gefährdet sind.

Die Straßenverkehrsordnung hat diesen Gedanken verinnerlicht und in die zitierten Paragrafen aufgenommen. Es ist Aufgabe der Polizei, dies den PKW-FührerInnen immer wieder nahe zu bringen und so den Tod von Kindern, Alten und Radlern etc. mit zu verhindern.

Susanne Jallow

Sprecherin FUSS e.V. Suttgart

 

Autofreie B14 am 13.05.2018 – FUSS e.V. Stuttgart war dabei

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Gut, die B14 war nur 2 Stunden autofrei, aber es war mal wieder sehr schön und sollte unbedingt zum Dauerzustand werden!

Familien nehmen die Stadtautobahn in Beschlag

Peter Erben von FUSS e.V. Stuttgart hat eine kleine, sehr informative Rede gehalten:

Der Fußverkehr in Stuttgart – kein Spaß für Anspruchsvolle oder

Holen wir uns zurück was uns genommen wurde

Liebe Mitstreiterinnen und liebe Mitstreiter für eine lebenswertere Stadt,

das Zufußgehen existiert als Form der Mobilität, seit es die Menschen gibt. Menschen leben seit mehr als zwei Millionen Jahren auf der Erde. Damit ist das Zufußgehen unbestritten die mit Abstand älteste Verkehrsart überhaupt. Es ist die natürlichste und umweltverträglichste Art sich fortzubewegen. Die Geschwindigkeit, die wir dabei erreichen, nennen wir Schrittgeschwindigkeit. Eine in die Wiege gelegte Zielgröße – genetisch zementiert. Unsere Sinnesorgane sind für diese Geschwindigkeit ausgelegt und dafür völlig ausreichend dimensioniert. Unser Sehen, unser Hören, unser Gleichgewichtssinn helfen dabei, unsere Wege sicher zu bewältigen. Bei Schrittgeschwindigkeit sind wir in der Lage, unsere Umgebung als Ganzes am besten zu erfassen.

Damit ist das Zufußgehen die Premiumklasse unter den Verkehrsarten schlechthin. Leider ist es um die Wertschätzung für dieses Juwel nicht gut bestellt. Besonders in der sogenannten Autostadt Stuttgart.

Der Fußverkehr ist hier zwar nicht eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Aber die Respektlosigkeit, mit der kleine und große zu fußgehende, rollator- und kinderwagenschiebende, rollstuhl- und gehstocknutzende Menschen in dieser Stadt beim Fortkommen behindert werden, ist schlichtweg ein Skandal. Es ist zumindest aus meiner Sicht ein Skandal, und ich werde gerne hier erklären, warum ich dieser Meinung bin.

Im Jahr 2011 hatte der damalige Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die „Die Charta des Zu Fuß Gehens“ unterzeichnet. Damit hat die Landeshauptstadt Stuttgart ein klares Bekenntnis zur Bedeutung des Fußverkehrs abgegeben und sich zur Förderung des Fußgängerverkehrs verpflichtet. Im Jahr 2014 wurde das Verkehrsentwicklungskonzept 2030 durch den Gemeinderat beschlossen. Die Selbstverpflichtung von 2011 ist darin enthalten (Seite 114).

Wenn ich mir jetzt ansehe, wie es heute um die Umsetzung der Ziele steht, die im genannten Verkehrsentwicklungskonzept dargestellt werden, kann ich deren Erreichung nicht erkennen. Im Gegenteil. Seit 2011 wird in der Realität fortlaufend gegen die selbsterklärten Absichten verstoßen:

  • Verbotswidriges Parken wird nachträglich, durch ein paar Pinselstriche auf unseren Gehwegen legalisiert.
  • Querparken wird eingeführt mit der Folge, dass Motorhaube oder Heck der abgestellten Fahrzeuge weit in unsere Laufwege hineinragen.
  • Ticketsäulen für das Parkraummanagement werden auf unseren Gehwegen installiert. Dabei wird die Gehwegbreite locker mal um 80 Zentimeter reduziert.
  • Stühle und Tische für die Gastronomie werden auf unsere Gehwege gestellt, ohne uns den entstandenen Verlust dieser Flächen zu ersetzen.
  • Werbetafeln werden uns vor den Geschäften in den Weg gestellt.
  • Fahrradfahrer, die mangels sicherer und guter Fahrradwege lieber unsere Gehwege benutzen, gefährden durch ihr Verhalten wiederum unsere Sicherheit.
  • Abgesenkte Bordsteinkanten, die einen barrierefreien Übergang ermöglichen sollen, werden rücksichtslos zugeparkt.
  • Die 5-Meterregel im Kreuzungsbereich wird von Falschparkern unverschämt und rücksichtslos missachtet – auf Kosten sicherer Schulwege.

Die Liste der Behinderung unserer Wege kann jeder Betroffene aus eigener leidvoller Erfahrung beliebig fortsetzen. Wer es schafft, sich in die Lage der Schwächsten im Straßenverkehr hineinzuversetzen, wer versucht deren Perspektive einzunehmen, den überkommt die kalte Wut.

Eine Mindestforderung von FUSS e.V. Stuttgart an den Ordnungsbürgermeister der Stadt Stuttgart ist daher, das eigentlich Selbstverständliche zu tun:

Wir fordern, dass die Straßenverkehrsordnung dort durchgesetzt wird, wo es um den Schutz und die Rechte der nicht autofahrenden Verkehrsteilnehmer geht.

Bei der Überwachung des ruhenden Verkehrs darf der sogenannte „Parkdruck“ kein Grund mehr zum Wegsehen sein. Ein Fahrzeug, das barrierefreie Übergänge blockiert, gehört umgehend abgeschleppt.

Weiter fordert FUSS e. V. Stuttgart

den Rückbau aller Parkscheinautomaten und aller Elektroladestationen, die auf Gehwegen installiert wurden.

  • den Rückbau aller Parkscheinautomaten und aller Elektroladestationen, die auf Gehwegen installiert wurden.

Und FUSS e. V. fordert natürlich auch

  • den Rückbau aller Maßnahmen, die das Parken auf Gehwegen offiziell erlauben.

Es gab mal eine Zeit, in der wurden großzügig bemessene Fußwege für die Menschen dieser Stadt angelegt. Da gab es genügend Gehwege, die so breit waren, dass ein bequemes Nebeneinander­laufen der Standard war. Es gibt jede Menge Fotos aus der Zeit vor der Massenmotorisierung. Darauf sind auch ballspielende Kinder auf Straßen und Plätzen zu sehen. Dies war noch vor fünfzig Jahren in manchen Nebenstraßen möglich. Da war der Begriff Spielstraße noch nicht erfunden, weil so eine Nutzung damals noch ohne Verkehrsschild einfach stattfand. Das war „shared space“ selbstgemacht.

Da müssen wir wieder hin. Auch dafür setzt sich der FUSS e. V. Stuttgart ein.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit

 

Verpackte Falschparker und Tüte Gemischtes

Da gehts wohl noch mehr Leuten in der Stadt wie mir :-). Eine besonders schöne Aktion in der Nacht vom 18. auf den 19.12.2017 im Stuttgarter Süden, begleitet von einer herausragenden Pressearbeit – Glückwunsch, liebe KollegInnen!

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Anwohner verpackten aus Protest falsch parkende Autos in Stuttgart – mit einer eindeutigen Botschaft.

Die Botschaften richten sich mit dem Text: „Kannste so parken, ist dann halt Scheiße“ an FalschparkerInnen, die zu Fuß Gehenden und Rad Fahrenden in rücksichtsloser Weise das Leben schwer machen. Wie immer trifft ein solches Verhalten immer die gleichen besonders hart: Kinder, Bewegungs- und Seheingeschränkte, Leute mit Rollis, Koffern etc..

Die Meldung ging geradezu um die Welt. Für mich ein Zeichen, dass sich die Probleme ähneln in den Städten, und das die Zeit reif ist für eine Neuverteilung des öffentlichen Raums. Vor dem Hintergrund von Luftverschmutzung und Dauerstau in Städten schon lange überfällig.

Eine bisherige Reaktion der Stadt Stuttgart durch ihren Sprecher auf Twitter:

„Der Kessel bietet wenig Platz für Autos….“

Was bitte schön, hat die Kessellage mit der Tatsache der zu vielen Autos zu tun? Läge Stuttgart nicht im Kessel würde wie durch ein Wunder der Parkraum ausreichen?

Weiter:

„…..Daher hat die Stadt das Parkraummanagement eingeführt. Die Abschaffung des kostenlosen Parkens hat die Situation in der Innenstadt gerade tagsüber erheblich entspannt“

Ach ja?

Nun. Ich bin hauptsächlich tagsüber in der Stadt unterwegs. Alltag sind die folgenden Situationen. Anmerkung vorweg: ich lichte nicht alles  ab, was mir begegnet – täte ich es, käme ich nie pünktlich dahin, wohin ich unterwegs bin.

Noch eine Bemerkung zu Herrn Matis‘ Statement:

Wenn die KollegInnen, die in der Stadt Strafzettel verteilen, ausreichen würden, dürfte es Bilder wie die folgenden nicht geben. Die noch einzustellenden KollegInnen, die auch abschleppen lassen können, werden übrigens nicht von alleine tätig werden. Sie müssen – von wem? – gerufen werden. Tja.

Aber nun, lass Bilder sprechen. Meine Bilder entstehen übrigens überwiegend in Stuttgart Mitte und Ost. Da kann man StrafzettelelschreiberInnen mit der Lupe suchen:

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Besondere Highlights sind für mich, wenn Stadt und Land zeigen, wie wurscht ihr die Zu Fuß Gehenden sind:

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Hinter dem Wagen versteckt sich der Gehweg: auch so schon blöd genug

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Mein absoluter Liebling, in immer wieder neuen Variationen:

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Justizfahrzeuge vor dem Gericht in der Olgastraße – auch der Behindertenparkplatz wird hemmungslos integriert

 

Und der war einfach nur lustig – wenn auch im Weg:

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Stuttgart Laufd Nai – Die Story ….

…aus der Perspektive von Bündnispartner FUSS e.V. Stuttgart:

Eine Bündnis für eine Entwicklung hin zu einer „Lebenswerten Stadt für alle“

Stuttgart, wie wir es kennen
Wer „Stuttgart“ hört, denk sofort an Daimler, Porsche und Bosch und damit an eines – das Auto und die autogerechte Stadt. Sprich: an die Ausrichtung der Stadt- und Verkehrsplanung am Motorisierten Individualverkehr (MIV) bei gleichzeitiger Unterordnung nichtmotorisierter Fortbewegungsarten, also Fußgängern und auch Radfahrern.

Die Schillerstraße vor dem Bahnhof heute
Die Schillerstraße vor dem Bahnhof heute

Gleichzeitig ist Stuttgart bundes- und europaweit bekannt als Stau – und Feinstaub- bzw. Abgashauptstadt. Die Zeit, die AutofahrerInnen in Staus verbringen, nimmt konstant zu. Der sogenannte „Parkdruck“ steigt. Um jeden Parkplatz in den Innenstadtbezirken wird verbissen gekämpft. Soll ein Parkplatz zugunsten eines Baumes weichen, ist der Aufschrei unter den AutofahrerInnen garantiert.

Dennoch ist auch in Stuttgart, in Teilen seines Gemeinderats und in der Verwaltung das Bewusstsein dafür gewachsen, dass das Auto nicht länger die Fortbewegungsart der ersten Wahl sein kann, gerade in Städten und bei Wegen von unter 5 km. Umfragen unter den StadtbewohnerInnen ergeben, dass sie sich weniger motorisierten Individualverkehr (MIV),eine bessere Luft, eine grünere Stadt wünschen. Für Jüngere ist der PKW längst kein automatisches Muss bei Erreichen der Volljährigkeit mehr, ein hippes Fahrrad hat ihm schon längst den Rang als Statussymbol abgelaufen:

„Junge Menschen in Stuttgart fahren kaum noch mit dem Auto zur Arbeit oder
zur Ausbildung – diese Erkenntnis zeigt die aktuelle Bürgerumfrage. Die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) wird bei jungen Stuttgarter_innen immer beliebter: Waren es im Jahr 2005 noch 59 Prozent, die den Weg zu Arbeit oder Ausbildung mit dem ÖPNV zurücklegten, sind es zehn Jahre später schon satte 78 Prozent. Beim Auto sind die Zahlen für den gleichen Zeitraum deutlich rückläufig: Von 34 Prozent sinkt die Nutzung auf magere 14 Prozent. Auch die Zahl der zugelassenen Autos in der Altersgruppe 18 bis 25 ist seit dem Jahr 2000 um 76 Prozent zurückgegangen – im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der jüngeren Einwohner_innen um 13 Prozent, was verdeutlicht, welch enormen Bedeutungsverlust das Auto für die jüngeren Stuttgarter_innen hat. Betrachtet man den Zeitraum zwischen 2005 und 2015, so zeigt sich, dass alle Stuttgarter_innen deutlich häufiger die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Die mit dem Fahrrad zurückgelegten Wege nehmen zu. Selbiges gilt auch für die der Fußgänger. Eine deutliche Abnahme verzeichnet hingegen die Nutzung des Autos als Verkehrsmittel. Die genannten Fakten zum Bedeutungszuwachs des Umweltverbunds verlangen nach einer städtebaulichen Sichtbarmachung.
Das Umweltbundesamt hat in der Studie ‚Umweltbewusstsein und Umweltverhalten junger Menschen‘ vom Januar 2016 folgendes ermittelt: ‚Der Vorschlag,
Städte und Gemeinden gezielt so umzugestalten, dass einzelne Personen kaum noch auf ein Auto angewiesen sind, sondern ihre Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen können, findet bei jungen Leuten große Zustimmung, und zwar mit 84 Prozent noch etwas mehr als in der Gesamtstichprobe (82 Prozent).‘ “
Aus dem Wegweiser der Kampagne Stuttgart Laufd Nai – (nachzulesen unter Stuttgart Laufd Nai)

Die Schillerstraße wie wir sie uns wünschen
Die Schillerstraße wie wir sie uns wünschen

Anspruch und Wirklichkeit
Zwischen Bewusstwerdung und Taten der Stadt Stuttgart klafft aber nach wie vor eine große Lücke: Radwege werden nur dann – stückweise und scheinbar völlig planlos – gebaut, wenn sie dem MIV nichts wegnehmen, also entsprechend schleppend.

Der Fußverkehr wird besonders stiefmütterlich behandelt. Gehwege werden in Stuttgart bedenkenlos dem hier schon erwähnten Parkdruck geopfert: Querparken, hinkendes Parken sind Alltag. Autofahrerinnen, die auf Gewehgen parken, wird von Seiten der Ordnungsbehörden viel zu viel Verständnis entgegengebracht – die Straßenverkehrsordnung wird in Stuttgart mit einem großen „Ermessensspielraum“ ausgelegt und kaum umgesetzt. So parken in Stuttgart alle unbeanstandet um Kurven herum, die 5-Meter-Regelung existiert hier de facto nicht. Sämtliche Infrastruktur für den Motorisierten Individualverkehr – Parkscheinautomaten, E-Ladesäulen – wird auf den Gehwegen platziert. Illegales Gewehgparken ist selbstverständlicher Alltag. Dank fehlender Sanktionierung dieses Verhaltens schwindet bei immer mehr PKW-FahrerInnen zunehmend jegliches Unrechtsbewusstsein. Wie mach eine/r jemals seine Führerscheinprüfung bestehen konnte, fragt man sich oft.

Obwohl die Stadt Stuttgart schon vor Jahren sich mit einem Verkehrsentwicklungskonzept (VEK 2030) eine Selbstverpflichtung hin zu einer anderen, nachhaltigen Mobilität gegeben hat, das inzwischen durch einen Aktionsplan „Nachhaltig mobil in Stuttgart“ ergänzt wird, ändert sich in der Realität wenig. Die Autofahrerlobby sitzt immer noch fest im Stuttgarter Gemeinderat und verhindert nach wie vor wichtige Weichenstellungen in die richtige Richtung.

FUSS e.V. Stuttgart gründet sich
In dieser Situation und mit der Erkenntnis, dass Zu-Fuß-Gehende dringend eine Lobby brauchen, hat sich im Oktober 2016 die Gruppe FUSS e.V. Stuttgart gegründet und ihre Arbeit aufgenommen. Mit der Überzeugung, dass nachhaltige Mobilität nie isoliert nach einzelnen Fortbewegungsarten – hier besonders Fuß- und Radverkehr – betrachtet und gefördert werden kann, waren und sind bei den Akiven-Treffen der Gruppe immer auch Vertreter der Radfahrenden dabei. Das in Stuttgart übliche gegeneinander Ausspielen der beiden Fortbewegungsarten – besonders beliebt sind hier die Schilder „Fußgängerweg mit Fahrrad frei“ noch schlimmer „Fußgängerzone mit Fahrrad frei“ soll ein Ende haben. Fuß- und Radverkehr soll immer zusammen gedacht werden.

„Stuttgart laufd Nai“* wird geboren
Und wie so oft, wenn die Zeit für eine Idee reif ist, haben nahezu zeitgleich zur Gründung von FUSS e.V. Stuttgart zwei junge Stadträte im Stuttgarter Gemeinderat (Christoph Osazek, Die LINKE und Luigi Pantisano, das Bürgerbündnis „Stuttgart Ökologisch Sozial“, SÖS) beschlossen, mit Hilfe von Stuttgarter BürgerInnen und Verbänden, endlich das in Gang zu bringen, was schon lange auf dem Papier steht, aber an den Autofahrerparteien im Rat bislang scheiterte: Eine Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Mobilität und damit zu einer lebenswerteren Stadt. Als erstes Projekt planten sie die deutliche Ausweitung der Fußgängerzone in der Stuttgarter Innenstadt mit dem ersten Arbeitstitel „Stuttgart läuft“. Ziel: „Ein Paradies für Zu-Fuß-Gehende und Rad-Fahrende mit optimaler Anbindung an den ÖPNV im Herzen der Stadt“.

 

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Der zukünftige Rad- und Fußverkehrsbereich innerhalb des neuen Cityrings

Zusammen mit einem noch zu schmiedenden Bündnis aus Stuttgarter Verbänden und Vereinen sollte ein Bürgerbegehren angestoßen werden, das in einen Bürgerentscheid münden und damit Gemeinderat und Verwaltung endlich zu konkreten Taten zwingen sollte. Sie erarbeiteten ein wohl durchdachtes Konzept (zu finden unter Stuttgart Laufd Nai), mit dem sie als erstes an die noch recht frische FUSS e.V.-Gruppe Stuttgart herantraten. Nach anfänglicher Diskussion innerhalb der Gruppe, welche Auswirkungen so eine Fußgängerzone auf die umliegenden Bezirke haben könnte (Stichwort: verstärkter Parksuchverkehr), war FUSS e.V. Stuttgart bereit, zusammen mit den beiden Stadträten, die auch nach und nach ihre jeweilige Gemeinderatsfraktion von der Idee überzeugen konnten, „Stuttgart Läuft“ auf den Weg zu bringen und weitere Verbündete ins Boot zu holen. Schnell kamen dazu: der BUND, der Nabu, der ADFC, die Radgruppe der Naturfreunde Stuttgart, ProBahn, die Anstifter …. um nur einige zu nennen – inzwischen unterstützen 22 Gruppen die Idee einer autofreien Innenstadt, die inzwischen recht schwäbisch mit „Stuttgart Laufd Nai“ (also „Stuttgart läuft“) daherkommt.

Auszüge aus dem „Wegweiser“ der Kampagne zeigen
wo’s hin“laufen“ soll:
„Innerhalb des Stuttgarter Cityrings soll das gesamte Straßennetz in eine
Fußgängerzone umgewidmet werden. Dabei wird es folgende Sonderregelungen geben:

1. Die bisherigen Zu- und Durchfahrten für SSB-Busse (Rotebühlstraße, Schlossplatz, Schillerstraße) sind essentiell wichtig und bleiben erhalten. Somit ändert sich für den ÖPNV an den wichtigen Knotenpunkten nichts. Auch für Taxen wird es künftig Haltepunkte geben. Die City bleibt nach wie vor hervorragend an den Umweltverbund angebunden, Konflikte mit dem Kfz-Verkehr reduzieren sich, der Zugang zum Hauptbahnhof für Radler und Fußgänger wird deutlich attraktiver gestaltet.

2. Mit dem Radverkehrskonzept City wird es Bereiche geben, in denen die Rad-Fahrenden unter sich sind, die Zu-Fuß-Gehenden unter sich sind, und welche, in denen gegenseitig Rücksicht genommen wird. Das Konzept gewährleistet, dass Radfahrende schnell und sicher durch das Stadtzentrum gelangen. Dies nicht nur auf den bereits freigegebenen Wegen, sondern in deutlich erweitertem Maß. Die vorhandenen wie geplanten Hauptradrouten werden einbezogen. Bestehende Parkdecks dienen als Parkmöglichkeiten für Fahrräder. Für das schnelle Abstellen gibt es an vielen Orten Abstellbügel unter freiem Himmel.

3. Der Lieferverkehr für den innerstädtischen Handel wird auch weiterhin ge-
währleistet. Jedoch werden die bestehenden Lieferzeiten künftig konsequent kontrolliert. Zudem streben wir die schrittweise Umsetzung eines
Lieferverkehrskonzeptes City an, um mittels Mikrodepots und elektrifizierter Lastenräder den verbrennungsmotorbasierten und schweren Lieferverkehr deutlich zu reduzieren.

4. Alle oberirdischen Parkplätze für PKW und LKW werden im Zuge der Umwid
mung zur Fußgängerzone umgewandelt. Breitere Gehwege, erweiterte Grün
flächen, neue Stadtbäume, Stadtoasen, Kinderspielplätze, Urban Gardening,
Straßencafés, Orte des freien kulturellen Austauschs – die Bürger_innen sollen
entscheiden, was mit den freiwerdenden Flächen passiert. Neben einer
Bürgerbeteiligung wollen wir eine Jugend- und Kinderbeteiligung, um sicher zu stellen, dass möglichst viele unsere Stadt nach menschlichem Maß nach ihren Bedürfnissen mitgestalten und die Identifikation mit dem neuen „Wohnzimmer“ der Stadtgesellschaft hoch ist.

5. Das Parkhauskonzept City sieht eine Umnutzung und städtebauliche Neu-
ordnung der frei werdenden Stellplatz-Flächen vor. Teile der Flächen sollen als
Fahrradparkhäuser genutzt werden, andere Teile als Lagerflächen für den Warenaustausch der Innenstadthändler. An oberirdischen Parkdecks sollen gemischte Wohn- und Gewerbequartiere neu entstehen. Die Parkhäuser, die direkt über den Cityring erreichbar sind, bleiben erhalten.“

Das Bündnis nahm im Frühjahr diesen Jahres (2017) seine Arbeit auf. Die Presse berichtete wohlwollend, der Oberbürgermeister entdeckte die „Vision der autofreien Innenstadt“ für sich und verkündete seine Sympathie dafür wiederholt. Noch bevor das Bündnis mit dem Sammeln der nötigen 20.000 Unterschriften, die für das Bürgerbegehren nötig sind – und die nach unserer Überzeugung schnell zusammengekommen wären – beginnen konnte, entdecken zwei weitere Parteien (Grüne und SPD) im Stuttgarter Gemeinderat das Thema für sich und gossen es – stark abgeschwächt – in einen Antrag zu den anstehenden Haushaltsberatungen 2018/2019 in Stuttgart.

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Die Torstraße in Zukunft

Die Fraktion der beiden Initiatoren der Idee für „Stuttgart laufd Nai“ (SÖSLinkePlus) wurden vom Bündnis damit beauftragt, einen neuen Antrag zu formulieren, der die Ziele von „Stuttgart Laufd Nai“ beinhaltet. Damit gingen sie in harte Verhandlungen mit den Grünen und der SPD – und erfolgreich daraus hervor! – In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause wurde der nun gemeinsame Antrag von SÖSLinkePlus, den Stadtisten – die Stuttgart Laufd Nai auch unterstützen -,Grüne und SPD zu Stuttgart Laufd Nai vom Stuttgarter Gemeinderat angenommen!

Pressemitteilung zum Gemeinderatsentscheid

Schneller als ursprünglich gedacht – und schneller als über den Weg eines Bürgerentscheids –  ist nun der Weg frei für die Umsetzung unserer Vision von einer lebenswerten Innenstadt für alle .

Das Bündnis bleibt bestehen und wird den Prozess begleiten, denn: Sollte die Umsetzung des Projekts „Stuttgart laufd Nai“ ins Stocken geraten, bleibt uns immer noch: der Bürgerentscheid!

* Erklärung für die, die des Schwäbischen nicht mächtig sind:
Der Schwabe „laufd“ (läuft), wenn er zu Fuß geht. Wenn er schnell „laufd“ dann „saut“ er 🙂
Und: Deutungsmöglichkeiten, für „des laufd nai“: find ich super, gefällt mir. Weiter bedeutet es: „Kommt mir grade recht“, also zum richtigen Zeitpunkt. Zu guter Letzt kann es auch noch ganz wörtlich im Sinne von „rein (also in die Stadt) laufen“ verstanden werden.

Mehr Infos:
http://www.stuttgart-laufd-nai.de/
http://www.facebook.com/stuttgartlaufdnai/
Twitter: @Slaufdnai

 

 

FUSS e.V. Stuttgart laufd nai – am Mittwoch, den 26.07.2017, 19.30 Uhr

Letztes Treffen vor der Sommerpause

Und weil es das ist, wird dieses Treffen ein bisschen anders als die anderen:

Wir treffen uns wie gehabt um 19.30 Uhr hier:

Wo: im Gemeindehaus der Ev. Friedensgemeinde, Schubartstraße 14, 70190 Stuttgart

Der Weg dahin

Wenn alle da sind – wir warten maximal 10 Minuten – werden wir uns zu Fuß über die Kreuzung Gebhard-Müller-„Platz“  „durchschlagen“ mit Zielrichtung Palast der Republik.

 

Gebhard-Müller-"Platz"

Wir werden die Gelegenheit  zur ausführlichen Dokumentation der dortigen Querungsmöglichkeiten – oder eben der nicht vorhandenen Querungsmöglichkeiten – für Zu-Fuß-Gehende aller Art nutzen.

Am Palast der Republik angekommen werden wir das Treffen ausklingen lassen.

Wir freuen uns über alle, die uns begleiten wollen!

Kontakt zur Gruppe: stuttgart(at)fuss-ev.de

Hier gehts zu FUSS e.V. Deutschland

Vom Eugensplatz über den Schlossplatz zum Lindenmuseum

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Der Eugensplatz mit verstecktem Galateabrunnen

Eugensplatz – Lindenmuseum: 2,14 km in 25 Minuten

Zwischenetappe Schlossplatz:  1,1 km in 9 Minuten

Ich glaube vielen Nicht-Zu-Fuß-Gehenden ist überhaupt nicht bewusst, dass die Wege in Stuttgart oftmals nicht so weit sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Gerade die Stäffele tragen da einen großen Teil dazu bei. Leider fehlt an den meisten eine Beschilderung zu den unterschiedlichsten Zielen mit Entfernungsangaben.

Ich will heute vom Eugensplatz, da Galateabrunnen zum Lindenmuseum, zu Fuß natürlich, und hab mal auf die Zeit und die genaue Entfernung geachtet. Los gehts:

 

 

Rechts und links des Galateabrunnens führen Wege zur Eugensstaffel unterhalb des Brunnens:

 

 

Die Eugensstaffel von oben
Die Eugensstaffel

Blick zurück zum Brunnen hoch:

Blick zurück auf den Galateabrunnen hoch

Unten angekommen kreuze ich die Werastraße und gehe die Treppen, die zur Moserstraße führen:

 

 

 

Am roten Auto links vorbei gehts weiter zu den nächsten Treppen, die zur Urbanstraße runterführen:

Treppen zur Urbanstraße runter

Über die Urbanstraße rüber – dieses mal ohne Zebrastreifen – weiter geradeaus Richtung Oper:

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Leider ist hier die B 14 im Weg. Zu-Fuß-Gehende müssen in den Untergrund, um auf die andere Seite zu gelangen. Schön ist anders – ein oberirdischer Übergang wäre an dieser Stelle eine wirkliche Bereicherung!

 

Wieder im Tageslicht angekommen, zwischen Landtag und Oper, vor mir der Eckensee:

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Jetzt nach links halten, der Schlossplatz ist gleich erreicht:

 

Links neben dem Württembergischen Kunstverein, Blick Richtung Bolzstraße:

Blick Richtung Bolzstraße

Blick auf Uhr und Schrittzähler: 1,1 Kilometer in 9 Minuten inklusive Photos machen, klar ging alles abwärts, der Weg zurück dauert immer einen Tick länger :-).

So, ich will ja aber weiter, zum Lindenmuseum, daher weiter in der Bolzstraße Richtung Haltestelle Börsenplatz:

 

 

Oben-Bleiber gehen aber lieber am Palast der Republik über die B 27:

 

Vor dem Palast der Republik aber noch schnell: ein Blick nach rechts in die Lautenschlagerstraße zeigt, das die recht gelungen ist – keine bzw. kaum Parkplätze – ein bisschen viel Poller, aber das geht wohl nicht anders, sonst parken da ruckzuck welche:

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So, ich bin jetzt über die B 27 drüber und quere den Börsenplatz Richtung Uni und Stadtgarten:

 

Hier gehts durch:

Durchgang Börsenplatz zur Schellingstraße

und da kommt man raus:

Vorm Stadtgarten / Uni Stuttgart

Über die Schellingstraße rüber und rein in den Stadtgarten, dabei schräg links halten:

 

Auf Höhe des Taubenhauses links halten:

 

Hier gehts zum Lindenmuseum:

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Rechts um die Ecke:

Kreuzung vorm Lindenmuseum

„Nur“ noch über die Kreuzung, ich bin da:

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Auf der ganzen Strecke – nicht mal auf den letzten Metern wenigstens im Stadtgarten: kein einziger Wegweiser zum Lindenmuseum. Oder zu sonst irgendeiner Sehenswürdigkeit.

Einzig ein Schild zum Katharinenhospital nebenan war im Stadtgarten zu sehen. Immerhin. Na ja.

Blick auf die Uhr und den Schrittzähler: 2,14 Kilometer in 25 Minuten.

Mit dem Bus – Linie 42 – hätte ich 24 Minuten gebraucht, der fährt allerdings auch mit der Kirche ums Dorf.

Mit Bahn und Umsteigen in den Bus über Hauptbahnhof hätte ich 13 Minuten gebraucht, wenn kein Stau unterwegs. Und je nachdem, wie die Anschlüsse sind, auch ein bisschen länger – eine verpasste Bahn verlängert das Ganze gleich um 10 Minuten.

Mit dem Auto laut Routenplaner 11 Minuten, da ist dann aber die Parkplatzsuche nicht mit drin und Staus gibt es beim Routenplaner nicht.

Per Rad? Das müsste ich noch ausprobieren.

Fazit: Man braucht zu Fuß nur unwesentlich länger als mit anderen Verkehrsmitteln, wenn überhaupt. Dafür ist der Weg meist wirklich sehr schön. Man sieht eine Menge von Stuttgart, ist viel im Grünen unterwegs und kann hier und da verweilen, wenn man will.