„Der Kofferaum ist der beste Einkaufswagen“ – Wirklich?

Dass der Kofferraum und damit der PKW das bevorzugte Mittel zum Shoppen ist, behaupten CDU- und FDP-Mitglieder des Stuttgarter Gemeinderats immer wieder gerne. Und weil dies so ist, müsse man es dem motorisierten Individualverkehr so leicht wie möglich machen. Denn der Handel will ja schließlich Umsatz machen. Darf er auch. Aber dass er dazu mehr Straßen und am besten Parkplätze vor jedem Laden braucht, ist schlicht falsch.

Auf dieser Fahrradfahrerseite findet auch der Fußgänger, was er schon lange geahnt hat:

Zu Impulskäufen kommt es bei Fußgängern und Radfahrer viel häufiger als bei Autofahrern. Sie sind mit der richtigen Infrastruktur einfach näher dran.

und

„Studien zum Einkaufsverhalten in Innenstädten zeigen, dass nur knapp ein Drittel der Passanten gezielt einkauft. Die Mehrheit agiert stattdessen spontan und nutzt die Möglichkeiten, die sich ihr bieten. Je mehr Geschäfte passiert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Impulskaufs. Auf Grund geringer Geschwindigkeiten und der unmittelbaren Sinneserfahrung gilt dies besonders für Fußgänger und auch Radfahrer, wenn ihnen einladende Infrastruktur bereitgestellt wird.“ Insofern sollten dezentrale Parkmöglichkeiten zurückgebaut und zum Beispiel der Aussengastronomie zur Verfügung gestellt werden.

Demnach machen Fußgänger den größten Anteil des Kunden (44 %), gefolgt von Menschen die mit PKW anreisen (32 %).

Fahrradfahrer und Fußgänger tragen mehr bei zum Umsatz des Handels in den Innenstädten als Menschen die mit dem PKWs kommen. Sie kaufen bei ihren einzelnen Touren zwar weniger als ein PKW-Fahrer mit großem Kofferraum, dafür sind sie aber öfters am Einkaufen und auch am Konsumieren in eventuell vorhandener Außengastronomie.

Höchste Zeit, dass die Stadt Stuttgart mit ihrem grünen Oberbürgermeister und einer starken grünen Fraktion im Gemeinderat dies wirklich zur Kenntnis nimmt und auch entspechend handelt!

Gründung einer Fuß-e.V.-Gruppe !!

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Es tut sich was! Am 18. Juli 2016 soll in Stuttgart eine Gruppe des Vereins FUSS e.V., dem Fachverband für Fußverkehr Deutschlands gegründet werden.

Zusammen mit der Bürgerinitiative Neckartor laden Stuttgarter FußgängerInnen zum Gründungstreffen ein. Der Einladungstext:

Der FUSS e.V. ist als »Fußgängerschutzverein« mit dem Anliegen gegründet worden, die Stimme der Fußgänger in die öffentliche Diskussion einzubringen. Der Verein hat sich zu einem Fachverband entwickelt, der von Bundesministerien als Lobby in Diskussionsprozesse einbezogen wird.

Da wir von der BI Neckartor die Interessen des Fußgängers in Stuttgart für unterrepräsentiert halten, laden wir Sie herzlich ein zur Gründung einer Stuttgarter Gruppe des Fuß e.V. Deutschland.

Die Gründungsveranstaltung findet statt

am Montag, den 18. Juli 2016 um 19:30 Uhr

im Gemeindehaus der Ev. Friedensgemeinde,

Schubartstraße 14, 70190 Stuttgart

Der Weg dahin

Dr. Ingo Rohlfs wird uns in seiner Begrüßungsrede den FUSS e. V. vorstellen. Er ist Mitglied im erweiterten Bundesvorstand von FUSS e. V. und amtiert als Landessprecher für Baden-Württemberg.

Im Anschluss wollen wir organisatorische Dinge besprechen. Also z. B. überlegen, wie oft und wo wir uns treffen, wer was macht, usw. Wenn dann noch genügend Zeit bleibt, können wir schon Problemfelder benennen, Lösungs­wege skizzieren und Ziele formulieren.

Machen Sie mit, wenn Sie gerne zu Fuß gehen, wenn Sie möchten, dass die Interessen und Bedürfnisse der Fußgängerinnen in unserer Stadt berücksichtigt werden. Sollten Sie zudem in den Bereichen Verkehr, Raumplanung, Umwelt, Pädagogik, Psychologie, Gesundheit, Medien, Rechtsprechung tätig sein, können Sie auch Ihre fachliche Kompetenz einbringen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen zum Gründungstreffen der ersten FUSS e.V.-Gruppe Stuttgart.

Das Parkraummanagement in meiner Umgebung

Seit 1. Juni 2016 wurde unter anderem auch in Stuttgart Mitte das Parkraummanagement eingeführt. Dies bedeutet, es gibt nirgends mehr kostenlose Parkplätze. Anwohner mit Anwohner-Parkausweis für ihr Gebiet dürfen parken sowie Autofahrer ohne Anwohnerparkausweis, sofern sie einen Parkschein gelöst haben. Die Zeiten des kostenlosen Dauerparkens von Autofahrern von auswärts oder aus anderen Stadtteilen sind damit vorbei.

Es ist eine andere (Park-)welt, durch die ich mich morgens und tagsüber nun bewege! Es funktioniert! Mit der Einschränkung: Es funkioniert tagsüber und in dem Gebiet, in dem ich morgens zu Fuß unterwetgs bin – Es wimmelt nur so von Parklücken, wo vorher die PKWs Stoßstange an Stoßstange – auch um sämtliche Kurven – standen. Es ist Platz und Luft auch für Radfahrer, Füßgänger, Kinderwägen und Rollstuhfahrer! Es ist eine völlig andere Geh-Atmosphäre. Jetzt merke ich noch mehr, wie unwohl ich mich zwischen diesen eng geparkten PKWs gefühlt habe als Fußgängerin.

Ein paar Beispielbilder:

 

 

Und, meine Lieblingskreuzung am Urbansplatz, ist nicht mehr wiederzuerkennen:

 

Zur Erinnerung, das sah dort früher so aus:

 

Mein Fazit für die in den Bildern gezeigten Wera- und Urbanstraße: Das Parkraummanagement funktioniert  – Anwohner finden tagsüber zumindest freie Parkplätze – und: Es trägt bei zu einem deutlich besseren Klima  für ALLE Verkehrsteilnehmer, auch für FußgängerInnen. Von der Sicherheit, dank besserer Sicht mal ganz abgesehen!

Wie es in anderen Stadtgebieten funktioniert – oder eben nicht – hängt sehr davon ab, ob die Straßenzüge mehrheitlich von Auswärtigen genutzt wurden oder ob sich mehr Anwohner den Parkraum teilen müssen. Dort, wo mehr Anwohner  die Parkplätze nutzen, ergibt sich ein anderes Bild, vor allem Nachts. Da kommen die, die nach Auswärts pendeln, nach Hause und finden nach wie vor oft keinen legalen Parkplatz. Auf der Seite der BI Neckartor ist dazu ein guter Artikel erschienen:

Parkraummanagement: Eine Bilanz

Unterm Strich bleibt es bei der für mich immer gleichen Frage: Braucht man wirklich ein eigenes Auto, wenn man mitten in der Stadt lebt?

Minister Hermann und das Verkehrsproblem

Am 4. Tag des Feinstaubalarms (21.1.16) wurde im SWR ein Interview mit Verkehrsminister Hermann ausgestrahlt. Dort sagte er: „…(der) Appell geht an die Bürger und Bürgerinnen. Es ist Ihre Gesundheit. Sie müssen dazu beitragen dass die Luft besser wird. Nicht die Politik oder die Bürokratie soll es richten. Nein, jeder ist selber das Verkehrsproblem und der
Feinstaub…“.

Ach so, und ich dachte, Gesetzte müssen eingehalten werden. Denn das ist es, was die EU nun von Stuttgart, nach 10 Jahren „Rumprobieren lassen“ verbindlich – per Gesetz –  fordert: die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte!

Aber das nur am Rande. Die eigentliche Unverschämtheit in Ihrer Behauptung, jeder sei selber das Verkehrproblem, Herr Minister: es gibt viele Menschen in dieser Stadt, die zu Fuß gehen, Fahrrad fahren, die mit Bus und Bahn unterwegs sind. Auch viele Kinder! Die alle sind NICHT Teil des Verkehrsproblems! Sie ERLEIDEN das Verkehrsproblem tagtäglich, bei erhöhten Werten um so mehr.

Es ist ihre verdammte Aufgabe, die Gesundheit derjenigen zu schützen, die in dieser Stadt zu Fuß, mit dem Rad, mit den Öffentlichen unterwegs sind. Und dies bedeutet auch, klar auszusprechen, was ist: Diejenigen, die, aus welchen Gründen auch immer – meist ist es die Bequemlichkeit – mit dem PKW unterwegs sind, schaden der Gesundheit ihrer zu Fuß gehenden, Fahrrad fahrenden Mitmenschen!

Das ist so ähnlich wie mit dem Rauchen und dem Passivrauchen!

 

 

Fazit Feinstaubalarm

Jetzt dürfen die, die den Feinstaubalarm ignoriert haben, offiziell wieder mit gutem Gewissen die Atemluft der Stuttgarter AnwohnerInnen verpesten.

Ein großes DANKE SCHÖN an die 3 Prozent, die ihren Wagen haben stehen lassen!! Was ich von den anderen 97 Prozent denke, schreiben ich hier besser nicht.

Montag, 18.01.2016 – Fußgänger“glück“pur!

Von der Ecke Friedenstraße / Landhausstraße über die Urbanstraße zur Moserstraße, 900 Meter Fußweg – das pure Vergnügen!

Übliches Zuparken der kleinen Straße, die von der Werastraße in die Friedenstraße abzweigt unter Miteinbeziehung der Verkehrsinsel – hinter der versteckt sich ein Zebrastreifen, wichtig für Grundschüler, die in die Ostheimer Schule gehen. An guten Tagen haben da noch deutlich mehr PKWs Platz. Der 2. Wagen auf der Verkehrsinsel ist schon weg, da war ich zu spät dran….

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Weiter geht es die Landhausstraße runter – Gewehgparken ist einfach schön:

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In der Urbanstraße auf den Urbansplatz zugehend. Mit Kinderwagen, Taschen oder gar Rolli hilft spätestens beim 2. Bild nur noch das Ausweichen auf die Straße:

 

Wir nähern uns dem alsoluten Highlight – dem Urbansplatz. Die junge Frau mit Kinderwagen zeigt wunderbar, wie unmöglich es ist, am Urbansplatz die Urbanstraße in gerader Richtung zu queren.

 

Sämtliche Kurven sind hier komplett zugeparkt, für Fußgänger ist ein Auf-die-andere-Seite-Kommen  – vor allem, wenn man in die Moserstraße möchte – nicht vorgesehen (wer Richtung Innenstadt will, geht von Anfang an besser auf der rechten Seite der Urbanstraße):

 

Hat mans bis hierher geschafft, ohne überfahren zu werden, geht es gewohnt mit Gehwegparken weiter – so macht Zu-Fuß-Gehen wahrhaft Freude!

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Wie gesagt, all das auf 900 Metern!

 

Zu Fuß gehen in Paris

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Immer wenn ich in Paris bin, schau ich mir die Stadt auch ganz bewusst aus der Sicht von FußgängerInnen an:

Die geniale Zebrastreifen-Fußgängerampel-Kombi:

  • ungefähr alle 20 bis 50 Meter gibt es Zebrastreifen – über noch so kleine Sträßchen. An allen Seiten von Kreuzungen sind Zebrastreifen, zu 80 % mit Fußgängerampeln versehen
  • an einer grünen Fußgängerampel halten die Autos bei Rot an, die Fußgänger gehen über die Straße
  • an einer roten Fußgängerampel bleiben die Fußgänger stehen und warten bis die Autos durchgefahren sind
  • wenn keine Autos mehr kommen, gehen die Fußgänger bei Rot über die Fußgängerampel, dann greift die Regelung des Zebrastreifens auf der Fahrbahn – wer in Paris an einer roten Fußgängerampel bei freier Fahrbahn wartet outet sich sofort als Auswärtiger und bildet ein fulminantes Fußgängerverkehrshindernis 😉
  • ist an einer roten Fußgängerampel eine kritische Masse an Fußgängern erreicht – das kann schon bei 2- 4 Personen sein -, wird  im Pulk losgelaufen, auch wenn der Autoverkehr dicht fließt und grün hat. Die Autos halten trotzdem an – es ist also IMMER Vorfahrt für Fußgänger – Ich habe keinen Autofahrer erlebt, der sich aufgeregt hat.

 

Wenn ich daran denke, wie unmöglich es ist, in Stuttgart einen Zebrastreifen vor einen Kindergarten zu bekommen, überkommt mich, milde gesagt, ein gewisser Überdruss an dieser unserer Stadt. Vor einem Gymnasium in Paris waren ungelogen alle 10 Meter Zebrasteifen und Langsamfahrelemente – in einer ganz ruhigen, schmalen Gasse – Parken auf dem Gehweg hier unmöglich:

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Übrigens, Gehwegparken – ein „Konzept“, auf das manch Verwaltungsmensch der Stadt Stuttgart heute noch stolz ist – mein Fußgänger-Dank an dieser Stelle! – gibt es in Paris überhaupt nicht.

Als ich im August 2014 wieder in Paris war, tauchten eines Sonntags diese Schilder in vielen Seitenstraßen auf:

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Von 10.00 bis 19:30 Uhr wurden die Straßen zur autofreien Zone – es war wunderbar, das Gehen in diesen Straßen. Die Stadt Paris hat zu Anfang jedem Schild noch einen Polizisten zur Seite gestellt, damit der das zur Not den Autofahrern erklären kann, mit dem autofrei…Ich bin gespannt, ob das bei meinem nächsten Besuch noch so ist. Oder ob / wie sich das Projekt weiterentwickelt hat.

In Paris geht seit 9 Jahren in großer Geschwindigkeit, was in Stuttgart undenkbar scheint: der Umbau von einer autofreundlichen Stadt zu einer  Stadt, in der alle Verkehrsteilnehmer auf ihre Kosten kommen und dabei das Ziel, die Luftverschmutzung massiv zu senken, konsequent verfolgt wird.

Während Stuttgart mit dem Rosensteintunnel eine Autobahn in die Stadt reinbaut, baut Paris seine Uferschnellstraßen an der Seine zurück, legt schwimmende Gärten am Seine-Ufer an und baut Plätze wie den Place de la Republique fußgängerfreundlich um.

„Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, versteckt auch nicht ihr Ziel den Automobilverkehr in Paris zu verringern und weist auf die notwendige Verbesserung der Luftqualität und Reduzierung des Lärmpegels hin…

Die Opposition kritisiert mit den üblichen Argumenten des drohenden Verkehrschaos die Pläne der Bürgermeisterin. Doch auch wenn die sozialistische Partei riskiert die Pariser Region bei den nächsten Wahlen zu verlieren, sitzt die Bürgermeisterin der Stadt Paris bis jetzt gut im Sattel.“

Im letzten jahr gab es in Paris einen autofreien Sonntag  (27.09.2015), Fahrverbote bei Feinstaubalarm, seit Ende 2015 sind alte  LKWs und Busse in der Stadt verboten.

Vielleicht sollten grüne Oberbürgermeister  – mit einer starken grünen Fraktion im Gemeinderat – und grüne Verkehrsminister hierzulande einfach mal etwas riskieren, und das umsetzen, wofür sie gewählt wurden!?