Motorräder, die StVO und das Parken auf Gehwegen

Motorräder, Mofas, Roller etc. sind Fahrzeuge im Sinne der Straßenverkehrsordnung danach besteht zum Schutz der Gehwegbenutzer ein Verbot des Gehwegparkens. 

Die Straßenverkehrordnung enthält mystischerweise zwar keinen expliziten Paragraphen à la „Das Parken auf Gehwegen ist verboten“, aber indirekt ist es da, das Verbot:

§ 12 (4) StVO : „Zum Parken ist der rechte Seitenstreifen, dazu gehören auch entlang der Fahrbahn angelegte Parkstreifen, zu benutzen…“ Also nicht die Gehwege

§ 12 (4a) StVO: „Ist das Parken auf dem Gehweg erlaubt, so ist hierzu nur der rechte Gehweg, in Einbahnstraßen der rechte oder linke Gehweg zu benutzen.“ Also ist es generell auf Gehwegen verboten

§ 2 (1) StVO: „Fahrzeuge müssen die Fahrbahn benutzen,…“ nicht die Gehwege

(Quelle: StVO )

Ausnahmen sind durch das Zeichen 315 oder durch Parkflächenmarkierungen gekennzeichnet.

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Langer Vor-Rede kurzer Sinn: ist nichts anderes ausgewiesen, darf NICHT auf dem Gehweg geparkt werden. Korrekterweise werden Motorräder so geparkt:

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korrekt nach StVO geparkt

oder so

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auch korrekt geparkte

Mitmenschen, die ihre Zweiräder wie oben gezeigt abstellen, sind meiner Erfahrung nach absolute Ausnahmen, die Realität sieht so aus:

oder so

oder so

 

Kommen dann noch illegal auf dem Gehweg geparkte PKWs hinzu, wirds richtig eng:

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Oft gibt es ausgewiesene Parkflächen für motorisierte Zweiräder, die eskalieren, ohne, dass es das Ordnungsamt oder gar die Polizei interessieren würden:

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Im Vordergrund legale Parkfläche – im Hintergrund der Wildwuchs
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Wilder Parkplatz in Lauflinie für Fußgänger

Wenn der/die Zu-Fuß-Gehende  Pech hat gesellen, sich auch hier zu den illegal geparkten Zweirädern illegal geparkte PKW:

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Hinter dem schwarzen PKW verbirgt sich der Gehweg, der auch noch durch Querparken eingeengt ist:

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Das Ordnungsamt verfährt auch bei diesem Thema nach dem Motto: wenn sich die oft massiv behinderten FußgängerInnen, RollstuhlfahrerInnen, Menschen mit Kinderwagen, Gepäck etc., nicht massenhaft beschweren, werden sämtliche Augen zugedrückt. Aber wer kann und will sich schon ständig beschweren müssen? Das ist nervenaufreibend, kostet Zeit, und beliebt macht man sich damit auch nicht.

Daher fordert FUSS e.V. zurecht die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung – eigentlich selbstverständlich sollte man meinen.

Querparken und Kinder

Ständig gehe ich am kleinen Spielplatz Ecke Schützen-/Werastraße vorbei und erst vor einigen Monaten dämmerte mir: Was für ein Wahnsinn!….zusätzlich zu der Verkleinerung des Gehwegs:

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Rechts ein in den wärmeren Monaten und besonders Abends gut besuchter Spielplatz für ganz Kleine….
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….links die Querparker, die gerne so einparken, dass sie vorwärts wieder rauskommen….

Nicht nur, dass besonders die Rückwärtsein- und -ausparker ihre Abgase den Fußgängern zumuten, nein, ganz besonders betroffen sind nachmittags und am frühen Abend die kleinen Kinder, die hier gerne und viel mit ihrem Eltern den Tag ausklingen lassen.

In etwas abgeschwächter Form – weil der Abstand etwas größer ist – gibts die Situation auch hier:

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Querparken vor der Ostheimer Grundschule – links hinter der Mauer befindet sich der Schulhof der Schule

Der  Gehweg ist nach Schulschluss voll mit Schülern, um diese Zeit ist naturgemäß das Ein- und Ausparken besonders rege.

Es wird  Zeit, zur Kenntnis zu nehmen, das Querparken  grundsätzlich eine gesundheitliche Zumutung für alle betroffen FußgängerInnen ist – aber da wo es Kinder direkt betrifft, ist es eigentlich….unglaublich!

Photosammlung

Mal wieder Zeit, eine Portion Gemischtes zu veröffentlich. Die Freude am Gehen in der Stadt sinkt proportional mit dem Rundrum-Bedrängstein durch parkende PKW, die einem selbst auf dem Gehweg – also dem Raum, den der/die Fußgängerin nutzen muss und auf dem er/sie sich sicher fühlen sollte – keinen Raum gönnen. Selbst wenn die PKW nicht auf dem Gehweg stehen, lassen sie in Stuttgart keinen Raum für sicheres Queren, schließen Sichtbeziehungen….

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Um die Ecke parken und Zebrastreifen, an dem man garantiert keine Schulkinder sieht – Zebrastreifen ist Teil des „sicheren Schulwegs“, Werastraße/Schubartstraße
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Ecke Wera-/Landhaus-/Friedenstr. , hier parkt selten jemand legal – auch hier veräuft ein „Sicherer Schulweg“

 

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Der Teckplatz, ein rundum geschlossenes System

 

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Teckplatz II
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Ecke Wera-/Schubartstraße, alle stehen auf dem Gehweg
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Um die Ecke gehts weiter – wo kommt eigentlich die blaue Plakette her?
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Immer wieder schön: die Urbanstraße I
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Urbanstraße II
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Hier tun zu den illegalen Gehwegparkern die Schilder des Döner den Rest
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Da geht man doch gerne!

 

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Da fällt einem nicht viel zu ein….der stand nicht mal „nur kurz“ da ….

Quatsch namens Quer- und Hinkendes Parken

Obwohl den PKWs bereits der größte Teil des Kuchens „Öffentlicher Raum“ zugesprochen wird, scheint es nicht zu genügen. Seit Jahrzehnten  werden unwidersprochen immer wieder große Teile der Gehwege zu Parkflächen teilzurückgebaut. An selbst gesetzte  Mindeststandards was die Mindestbreite von Gehwegen angeht, hält sich die Stadt Stuttgart dabei nicht:

Verkehrsentwicklungskonzept der Landeshauptstadt Stuttgart – VEK 2030

Fußverkehr ab Seite 113, das Thema Gehwegbreiten auf Seite 118, Zitat:

Die Funktion eines Gehwegs sollte sich in seiner Breite widerspiegeln. Gehwege sollten generell genug Platz bieten, dass zwei Personen bequem nebeneinander gehen oder sich begegnen können, auch wenn sie übliche Dinge wie Einkaufstaschen oder Regenschirme mit sich führen. Das entspricht in der Regel einer Breite von 2,50 m, was einem einbaufreien und nutzbaren Gehweg von 1,80 m Breite entspricht. Vielfach ist jedoch eine deutlich größere Gehwegbreite zweckmäßig. Die Stadt Stuttgart nimmt in der Planung als Regelmaß eine Breite von 2,50 m und grundsätzlich eine Mindestbreite von 2 m an. Bei intensiver Seitenraumnutzung gelten 3,50 m und bei stark belasteten Vorbehaltsstraßen eine Breite von 4,50 m als Orientierung. Bei den genannten Maßen handelt es sich um Nettobreiten. Der Flächenbedarf für Einengungen, wie z.B. Schaltkästen, Masten oder Bäume muss hinzugerechnet werden. Für diese Sondernutzungen ist eine gute Gliederung der Seitenräume sinnvoll. Das heißt, Abfalleimer, Lichtmasten, Trafohäuschen oder Bänke gehören nicht in die direkte Gehrichtung des Fußgängers.
So viel zum Anspruch, jetzt zur Realität. Bei den folgenden Bildern handelt es sich zwar um legales Parken, es wirkt sich aber dennoch massiv negativ auf die Qualität der Gehwege aus.

Das VEK stammt aus dem Jahr 2011. Nicht nur, dass die Stadt Stuttgart seither wenig bis nichts getan hat, um „alte“ Gehwege den eigenen Ansprüchen entsprechend umzugestalten, sie hat seither auch noch neue enge Gehwege mit „hinkendem Parken“ und Querparken  geschaffen, siehe Landhausstraße  aus der Stadt kommend  kurz vor der Ostheimer Grundschule (Bild folgt). Eins von vielen Beispielen.

Wem gehört der öffentliche Raum? – Der Schützenplatz

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Es gibt Plätze, da kommen einem die Tränen, wenn man sieht, wozu sie genutzt werden. Der Schützenplatz ist einer von diesen Plätzen.

Der Schützenplatz von oben

Beim Grundriss des Platzes kann man ins Träumen kommen: ein Brunnen in der Mitte mit Bäumen, Bänke drum herum, kleine Gastronomie, eine Bocciabahn und und und.

Und wie wird dieser Platz genutzt? Ausschließlich als Parklatz. Fußgänger, Radfahrer, spielende Kinder, Nachbarn, die sich treffen wollen, sind hier nicht vorgesehen. Egal, von welcher Seite aus man den Platz betritt, ihn überqueren möchte: man rennt in parkenden Autos oder Motorräder:

 

 

Der Platz soll bald umgestaltet werden. Dabei ist es wichtig, drauf zu achten, dass der öffentliche Raum nicht weiterhin nur einem Teil der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wird: dem motorisierten Individualverkehr und seinem Parkplatzbedarf.

Alltagsimpressionen auf dem Gehweg

Die folgenden Bilder wurden alle innerhalb eines Tages auf dem Weg zur Arbeit – knapp 1 km – und wieder zurück  – noch mal 1 km – aufgenommen. Wäre es nicht wunderbar, wenn die bereits bestehenden Regeln der Straßenverkehrsordnung eingehalten würden? Aber Polizisten, die solche Verstöße sehr wohl sehen, machen: Nichts.

Und wo die verstärkt laufenden KnöllchenschreiberInnen sein sollen? Ich weiß es nicht.

 

 

Kinderwagen, Rollstuhlfahrer haben einfach mal Pech gehabt….

 

 

 

 

Freitag,15.01.2016 – Kurzes Glück

Ein Hauch von Wien – einen interessanten Artikel zu Wiens Verkehrsplanung gibts hier – auf der kurzen Strecke zwischen Ostendplatz und Leo-Vetter-Bad:

Fahren dürfen Busse und Bahnen, PKWs nur stark eingeschränkt, breite Gehwege. Ein Traum – wobei auch hier ein PKW-Fahrer offenbar meint (links im Bild), „..der Geweg ist doch breit genug, da kann ich mich  draufstellen“….da passiert ihm aber sicher nichts, KnöllchenverteilerInnen sieht man in Stuttgart selten.

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Donnerstag, 14.01.2016

Auf dem Weg von der Ecke Wera-/Landhausstraße runter zum Stöckach, rund um den Stöckach und zurück. Kleine Strecke, alles innerhalb einer Stunde aufgenommen:

Ist der Wagen zu lang – nimm den Gehweg dazu. Die Dame kann ja auf der Straße gehen…

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Laut Straßenverkehrsordnung gehören parkende Motorräder auf die Straße, nicht auf den Gehweg.

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Grundätzlich wird immer alles auf dem Gehweg abgestellt – Baustellenschilder, Mülltonnen, etc. – Warum eigentlich nicht auf der Straße?

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Hinter dem Motorrad, da wo die Ums-Eck-Parker stehen, würde man als Fußgänger gerne gut sichtbar für den Straßenverkehr die Straße queren können…. Ums-Eck-Parken – hab ich mal in der Fahrschule gelernt – ist eigentlich nicht gestattet.

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