Der Fußgänger in El Alto, Bolivien, ist gelenkig und hat Sitzfleisch

El Alto

Gastbeitrag von Rita Krattenmacher, aus Bolivien

El Alto (span.: die Höhe) in Bolivien ist eine junge Stadt. 4000 ü.M. auf dem Altiplano breitet sie sich flach wie Pfannkuchen aus, in weiter Ferne Berge, die sich nochmals 1000 Meter in die Höhe schieben.

Überwiegend ist diese Stadt reisbrettartig in Quadrate aufgeteilt, mit Kreisverkehren, großzügig angelegten Spielplätzen und parkähnlichen Fußgängerstreifen in der Mitte der mehrspurigen Hauptverbindungsstraßen, erreichbar über breite Bremsschweller, die als Querungshilfen dienen.

Grünstreifen zwischen Fahrspuren Typ 1
Grünstreifen zwischen Fahrspuren
Grünstreifen zwischen Fahrspuren Ty 2
Grünstreifen zwischen Fahrspuren

 

Bremsschweller finden sich auch vor den Einfahrten zu Kreisverkehren und Vorfahrtsstraßen, vor den Schulen und massenhaft in den Straßen der Wohnviertel. Keine Tempo 30-Schilder, keine Vorfahrt-Beachten-Schilder, keine Achtung-Schulkinder-Queren-Schilder. Die ganze Stadt ist frei von jeglicher Verkehrsbeschilderung!! Die Bremsschweller an den entsprechenden Stellen regeln den Verkehr ohne Kontrolle.

wird noch gestaltet
Straße mit Bremsschweller

 

Gelegentlich gibt es Zebrastreifen, deren Sinn weniger bekannt ist. Noch zeigt das Programm MamaZebra, bei dem Voluntarier aller Herren Länder in Zebrakostümen vor Ort Verkehrserziehung betreiben, keine Auswirkungen.

MamaZebra-Verkehrserziehung in ElAlto
MamaZebra-Verkehrserziehung in El Alto

Einzigartig dürfte auch der Zebrastreifen sein, der nur bis zur Hälfte der Straße angebracht ist.

Fußgängerampeln gibt es in El Alto keine. Der Fußgänger an dicht befahrenen Straßen nutzt zeitgleich mit dem KFZ dessen Kreuzungsampeln oder quert geschickt zwischen dem stauendem Verkehr.

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Die Stadt wird von zwei auf die Autobahn führenden Schnellstraßen durchzogen. Hier gibt es zur Überquerung zweistöckige Fußgängerbrücken, deren Benutzung sportlich ist.

Hauptverkehrsstraße
Hauptverkehrsstraße
Fußgängerbrücke (2)
Fußgängerbrücke
Fußgängerbrücke
Fußgängerbrücke

 

Nicht wenige Fußgänger queren die Schnellstraße ebenerdig, wobei der Sport im Überklettern der hüfthohen Mauer besteht, die die gegenläufigen Fahrspuren trennt. An besonders frequentierten Stellen haben Anwohner das Betonmäuerchen zum leichteren überklettern durchbrochen.

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Der Verkehr auf den Schnellstraßen ist überschaubar, dass die Querung trotzdem nicht jedem gelingt, bezeugen die Kreuze am Straßenrand.

Dank tausender kleiner Läden alle 10 m ist die fußläufige Versorgung des täglichen Bedarfs gesichert. Kleidung, Schuhe, Geschirr, Kosmetik, Gemüse und Obst gibt es auf den vielen Märkten mehrmals pro Woche in allen Vierteln.

Individualverkehr gibt es kaum und autoleer scheinen die Straßen der Wohnviertel. Nur an den Hauptkontenpunkten gibt es Gedränge. Hier stauen sich die Massen von Minibussen und Taxen, die jedes noch so entfernteste Viertel und Dorf anfahren.

Im Übrigen gibt es einen jährlichen TÜV!

Die Minibusse halten, wo der einsteigewillige Fußgänger ihnen zuwinkt und wo der Fahrgast wünscht auszusteigen. Ein Paradies für Gehfaule. Auch kurze Strecken werden bevorzugt im Bus zurück gelegt. Die Busse haben ausklappbare Sitze und Platz für 12 Personen. Möchte ein hinten sitzender Fahrgast aussteigen, so müssen alle vor ihm Platz machen und anschließend wieder in den Bus krabbeln. Eine Prozedur, die auch mal alle paar Meter wiederholt wird, nach dem Motto: „lieber Krabbeln als Gehen.“ Auch die Frauen mit ihren vollgepackten Tragetüchern sind darin sehr geübt. Den wenigen gebrechlichen Personen, die sich in die Minibusse wagen, wird geduldig von den anderen Fahrgästen geholfen.

Viele Schulen werden ebenfalls von Minibussen bedient, und spielende Kinder sind auf der Straße kaum zu sichten. Dabei sind die Wohnstraßen wenig befahren und sichtbehindernde parkende Autos fehlen fast gänzlich. Hier heißt die berechtigte Angst der Eltern „Entführung“, und Kinder werden lange begleitet.

Keine Straße ohne Gehweg. Die anliegenden Hausbesitzer sind nach Gutdünken für den Gehweg verantwortlich. So wechselt dessen Beschaffenheit von blanker Erde zu schönen Pflasterungen oder einfachem Asphalt. Als Abgrenzung zur Straße ist so mancher Bordstein ungewohnt hoch. Gehwegparken daher schwierig. Von großem Nutzen sind die hohen Bordsteinkanten in der Regenzeit, wenn sich die Wassermassen wegen fehlender Kanalisation zu Seen und Bächen entlang der Straßen finden und der Fußgänger zum Weitspringer oder Schwimmer werden muss um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Schön anzusehen ist dabei die männliche Jugend, die die Gunst der Stunde nutzend die Liebste auf Händen tragen.

Bei Bedarf dient der Gehweg (genauso wie Teile der Straße) zur Lagerung für Baumaterial und natürlich nutzen ihn die Geschäfte für ihre Auslagen, und die ärmeren der Marktfrauen breiten auf dem Boden sitzend entlang der Hauswände ihre Waren aus. Mit Gehwegradlern ist hier nicht zu rechnen.

Gehwegnutzung (2)
Gehwegnutzung
Gehwegnutzung
Gehwegnutzung

Resüme:

Der fußgesunde, geistig fitte Gehende kann sich in El Alto wohl fühlen. Ist der Gehweg besetzt, so weicht er auf die wenig befahrene, nicht zugeparkte Straße aus. Bei den Verkehrsknotenpunkten schlängelt er sich zwischen den stauenden Fahrzeugen nach belieben durch. Auf die wenigen gebrechlichen Personen im Straßenraum wird von den überwiegend aus Berufsfahrern bestehenden Automobilisten Rücksicht genommen und ein mitten auf der Straße sich sonnender Hund wird geduldig umfahren. Ein Shared Space der funktioniert, weil genügend Platz zum Ausweichen vorhanden ist, weil die Straßen nicht für Schnellfahrer ausgelegt sind und weil Radler, Kinder und Gehbehinderte in größerer Zahl, fehlen. Wer Entfernungen von heran rollenden Fahrzeugen schlecht einschätzen kann (Kinder), auf Gehstock oder Rollstuhl angewiesen ist, der hat es auch hier nicht leicht.

Dass die Stadt bei ihrer Planung Fußgänger und Anwohner im Blick hat, davon zeugen die Bremsschweller und die regelmäßigen, großzügig angelegten Plätze für Fußgänger.

Straßensperrungen für die zahlreich statt findenden Tanzumzüge, nachbarschaftliche „Hocketsen“, Schulfeste und die regelmäßigen Wochenmärkte sind hier Selbstverständlichkeit. Gelassen nehmen es die Autofahrer hin.

Hocketse
Hocketse, wie der Schwabe sagt, oder: gemütliches Beieinandersitzen
Straßenumzug
Straßenumzug

Absolut fortschrittlich ist der nationale Tag des Fußgängers, bei dem ganz Bolivien autofrei ist !

 

Wie geht’s eigentlich den FußgängerInnen in der Fahrradstadt Kopenhagen?

Das hab ich mich schon oft gefragt. FUSS e.V. Deutschland  offenbar auch, denn in der aktuellen Ausgabe von mobilogisch!, der Verbandszeitschrift von FUSS e.V., finde ich ein Interview mit einem Vertreter des dänischen Fußgängerverbands Dansk Fodgænger Forbund.

FUSS e.V. hat mir genehmigt, das Interview hier wiederzugeben. Ein großes „Danke schön!“ dafür!

Also, los gehts:

 

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RadfahrerInnen in Kopenhagen, Wikipedia

Interview mit dem Kopenhagener Fußverkehrsverband

„Fußgänger müssen warten, warten, warten…“

Städte oder Länder gehen oft nicht mit integrierter Verkehrsplanung vor, auch wenn sie eine Ver­kehrs­art des Umweltverbunds fördern wollen. Wir unterhielten uns mit Hans Erik Hansen von der Kopenhagener Sektion der dänischen Fußgängervereinigung Dansk Fodgænger Forbund über seine Erfahrungen in der Fahrradhauptstadt.

? Jeder kennt Kopenhagen, die Stadt mit dem wohl weltweit größten Fahrradverkehr. Wir fragen uns, ob Fußgänger durch den starken Fahrradverkehr behindert werden.

! Ja, Kopenhagen ist weltberühmt für seinen Fahrradverkehr. Aber der Fahrradverkehr verursacht Behinderungen für Fußgänger und auch für Autofahrer, und diese Nachteile werden nicht besonders gut kommuniziert.

Den Fußgängern wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt als man den Fahrradverkehr vorantrieb. Aber nach einem Treffen im letzten Jahr mit unserer Organisation hat die Bürgermeister für Umwelt und technische Infrastruktur von Kopenhagen beschlossen, den Fußgängern und ihrer Sicherheit mehr Bedeutung beizumessen.

? Ich kann mir vorstellen, dass Fahrradstraßen und Fahrradparkplätze viel Raum im öffentlichen Bereich einnehmen. Manchmal sind Gehwege nicht breit genug. Werden Fußgänger von fahrenden und parkenden Rädern beiseite gedrängt?

! Wir haben viele Probleme mit Fahrrädern auf den Gehwegen und auf Fußgängerüberwegen. Auf den Gehwegen laufen Fußgänger zwischen fahrenden und parkenden Rädern umher – auch in Fußgängerzonen und Fußgängerstraßen. Besonders für ältere Menschen ist das ein Problem und in manchen Gegenden sieht man jetzt schon weniger Fußgänger als früher. Auch elektrische Cityräder sind ein Problem, weil besonders Touristen damit nicht richtig umgehen können und Gehwege und auch Fahrradstraßen unsicher machen.

? Radwege in Kopenhagen sind auf dem selben Höhen-Level wie die Fahrbahnen für Autos durchgezogen. Das bedeutet, sie sind am/ „auf“ dem Gehweg aber auf der selben Höhe wie die Straßen. Es scheint so, als ob Fußgänger über zwei Bordsteine laufen müssen bevor sie zum eigentlichen Bordstein gelangen.

! Ja, der Fußgänger muss erst über die Fahrradwegbordsteine laufen und dann über den am Fahrbahnrand.

? Wie ist es mit den geschützten Radfahrstreifen („protected bike lanes“), die durch Begrenzungen wie Poller oder Schwellen zur Fahrbahnseite geschützt sind. Macht das dem Fußgänger das Überqueren der Straße schwerer?

! Das hat zur Folge, dass der Fußgänger zum nächsten Überweg laufen muss, der dann bis zu 500 m weit weg sein kann.

? Welche Folgen haben Radschnellwege neben oder auf dem Gehweg für das Queren der Straße für Fußgänger?

! Fußgänger müssen warten…warten…warten oder zur nächsten Ampel laufen.

? Es gibt so viele Maßnahmen für sicheres und komfortables Radfahren, welche Maßnahmen plant die Stadt Kopenhagen für das sichere und komfortable Gehen der Fußgänger?

! Bisher nicht sehr viele, aber nach unserem Treffen haben sich drei Prioritäten herausgebildet: 1. öffentlicher Nahverkehr, 2. Fahrräder, 3. Fußgänger. Diese Initiative will dazu beitragen, die Sicherheit und Akzeptanz der Fußgänger in Kopenhagen zu verbessern. Das Hauptproblem ist die ungenügende Kontrolle durch die Polizei, um die Radfahrer zu mehr Rücksichtnahme zu bewegen um Unfälle zu verhindern.

mobilogisch, Ausgabe Mai 2017, Seite 7

Die Erkenntnis: wer vorbildlich den Radverkehr fördert, schafft damit nicht automatisch gute Voraussetzungen für Zu Fuß Gehende. Beides will gemeinsam gedacht und geplant werden. Und – das ist natürlich DIE Voraussetzung für ein gutes Gelingen: es geht nicht ohne Überwachung des ruhenden, aber auch des fließenden Verkehrs.

Gut, dass bei Stuttgart Laufd Nai – einer Kampagne für die Erweiterung der Stuttgarter Fußgängerzone in der Innenstadt, bei der auch FUSS e.V. Initiator ist – von Anfang an auch die Radverbände mit im Boot sind!

Auch die Stadt Stuttgart hat inzwischen die Bedürfnisse für FußgängerInnen erkannt und entsprechende Konzepte sind im Entstehen.

„Nur“ die Sache mit der Durchsetzung der Straßenverkehrsordnung, die liegt noch sehr im Argen.

Querparken und Kinder

Ständig gehe ich am kleinen Spielplatz Ecke Schützen-/Werastraße vorbei und erst vor einigen Monaten dämmerte mir: Was für ein Wahnsinn!….zusätzlich zu der Verkleinerung des Gehwegs:

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Rechts ein in den wärmeren Monaten und besonders Abends gut besuchter Spielplatz für ganz Kleine….
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….links die Querparker, die gerne so einparken, dass sie vorwärts wieder rauskommen….

Nicht nur, dass besonders die Rückwärtsein- und -ausparker ihre Abgase den Fußgängern zumuten, nein, ganz besonders betroffen sind nachmittags und am frühen Abend die kleinen Kinder, die hier gerne und viel mit ihrem Eltern den Tag ausklingen lassen.

In etwas abgeschwächter Form – weil der Abstand etwas größer ist – gibts die Situation auch hier:

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Querparken vor der Ostheimer Grundschule – links hinter der Mauer befindet sich der Schulhof der Schule

Der  Gehweg ist nach Schulschluss voll mit Schülern, um diese Zeit ist naturgemäß das Ein- und Ausparken besonders rege.

Es wird  Zeit, zur Kenntnis zu nehmen, das Querparken  grundsätzlich eine gesundheitliche Zumutung für alle betroffen FußgängerInnen ist – aber da wo es Kinder direkt betrifft, ist es eigentlich….unglaublich!

Photosammlung

Mal wieder Zeit, eine Portion Gemischtes zu veröffentlich. Die Freude am Gehen in der Stadt sinkt proportional mit dem Rundrum-Bedrängstein durch parkende PKW, die einem selbst auf dem Gehweg – also dem Raum, den der/die Fußgängerin nutzen muss und auf dem er/sie sich sicher fühlen sollte – keinen Raum gönnen. Selbst wenn die PKW nicht auf dem Gehweg stehen, lassen sie in Stuttgart keinen Raum für sicheres Queren, schließen Sichtbeziehungen….

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Um die Ecke parken und Zebrastreifen, an dem man garantiert keine Schulkinder sieht – Zebrastreifen ist Teil des „sicheren Schulwegs“, Werastraße/Schubartstraße
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Ecke Wera-/Landhaus-/Friedenstr. , hier parkt selten jemand legal – auch hier veräuft ein „Sicherer Schulweg“

 

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Der Teckplatz, ein rundum geschlossenes System

 

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Teckplatz II
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Ecke Wera-/Schubartstraße, alle stehen auf dem Gehweg
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Um die Ecke gehts weiter – wo kommt eigentlich die blaue Plakette her?
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Immer wieder schön: die Urbanstraße I
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Urbanstraße II
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Hier tun zu den illegalen Gehwegparkern die Schilder des Döner den Rest
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Da geht man doch gerne!

 

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Da fällt einem nicht viel zu ein….der stand nicht mal „nur kurz“ da ….

Demo / Kundgebung – Giftfreie Atemluft für alle – 30.03.2017, 17.00 Uhr

BI Neckator und FUSS e.V. Stuttgart gemeinsam mit vielen Unterstützern rufen auf:

17 Uhr: DEMO zu Fuß, von der Messstation Hohenheimer Str. (zwischen U-Bahn Bopser
und Dobelstraße) auf der B 27 zum Charlottenplatz

17 Uhr: DEMO per Fahrrad, vom Neckartor (Haltestelle oben) auf der B 14 zum Charlottenplatz

17.30 Uhr Kundgebung auf dem Charlottenplatz

Es sprechen:
Dr. Angelika Linckh – Ärztin
Jürgen Resch – Deutsche Umwelthilfe

Es spielen:
Capella Rebella und
Lokomotive Stuttgart

Unterstützer:

VCD-KV + LNV + ADFC-KV + BUND-KV+ Schutzgemeinschaft Krailenshalde + Klima- und  Umweltbündnis Stuttgart + Naturfreunde Stuttgart + Naturfreunde Radgruppe + Umwelt Gewerkschaft e. V.-OG+ AGVL Leonberg + Esslingen-Feinstaub-Lärm e.V. + Critical Mass + Plattsalat + die Anstifter+ Robin Wood Regionalgruppe + OK Lab Stuttgart

Hier gehts zum Flyer zum Ausdrucken und Verteilen:
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Wenn du es eilig hast, geh langsam…

…wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg (Japanisches Sprichwort)

Und da ist viel dran.

Ganz nebenbei sieht man beim Zu-Fuß-Gehen Dinge, die man NUR beim Zu-Fuß-Gehen sehen kann. Man muss sie nur wahrnehmen. Auf jedem noch so  noch  alltäglichen Weg gibt es viel zu entdecken:

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Ein wunderschöner Sonnenplatz unterhalb des Eugensplatzes, über die Stäffele zu erreichen

 

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Der Frühling naht….

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An der S-21-Baustelle, Übergang Urbanstraße Gebhard-Müller-„Platz“

Quatsch namens Quer- und Hinkendes Parken

Obwohl den PKWs bereits der größte Teil des Kuchens „Öffentlicher Raum“ zugesprochen wird, scheint es nicht zu genügen. Seit Jahrzehnten  werden unwidersprochen immer wieder große Teile der Gehwege zu Parkflächen teilzurückgebaut. An selbst gesetzte  Mindeststandards was die Mindestbreite von Gehwegen angeht, hält sich die Stadt Stuttgart dabei nicht:

Verkehrsentwicklungskonzept der Landeshauptstadt Stuttgart – VEK 2030

Fußverkehr ab Seite 113, das Thema Gehwegbreiten auf Seite 118, Zitat:

Die Funktion eines Gehwegs sollte sich in seiner Breite widerspiegeln. Gehwege sollten generell genug Platz bieten, dass zwei Personen bequem nebeneinander gehen oder sich begegnen können, auch wenn sie übliche Dinge wie Einkaufstaschen oder Regenschirme mit sich führen. Das entspricht in der Regel einer Breite von 2,50 m, was einem einbaufreien und nutzbaren Gehweg von 1,80 m Breite entspricht. Vielfach ist jedoch eine deutlich größere Gehwegbreite zweckmäßig. Die Stadt Stuttgart nimmt in der Planung als Regelmaß eine Breite von 2,50 m und grundsätzlich eine Mindestbreite von 2 m an. Bei intensiver Seitenraumnutzung gelten 3,50 m und bei stark belasteten Vorbehaltsstraßen eine Breite von 4,50 m als Orientierung. Bei den genannten Maßen handelt es sich um Nettobreiten. Der Flächenbedarf für Einengungen, wie z.B. Schaltkästen, Masten oder Bäume muss hinzugerechnet werden. Für diese Sondernutzungen ist eine gute Gliederung der Seitenräume sinnvoll. Das heißt, Abfalleimer, Lichtmasten, Trafohäuschen oder Bänke gehören nicht in die direkte Gehrichtung des Fußgängers.
So viel zum Anspruch, jetzt zur Realität. Bei den folgenden Bildern handelt es sich zwar um legales Parken, es wirkt sich aber dennoch massiv negativ auf die Qualität der Gehwege aus.

Das VEK stammt aus dem Jahr 2011. Nicht nur, dass die Stadt Stuttgart seither wenig bis nichts getan hat, um „alte“ Gehwege den eigenen Ansprüchen entsprechend umzugestalten, sie hat seither auch noch neue enge Gehwege mit „hinkendem Parken“ und Querparken  geschaffen, siehe Landhausstraße  aus der Stadt kommend  kurz vor der Ostheimer Grundschule (Bild folgt). Eins von vielen Beispielen.